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Ausstellungen: Bonn · von Sabine Dorothee Lehner · S. 310 - 311
Ausstellungen: Bonn , 2003

SABINE DOROTHEE LEHNER
Beat Zoderer

“Der doppelte Boden ist tiefer als man denkt”
Kunstmuseum Bonn, 6.7. – 14.9.2003

Die bisher umfassendste Museumsausstellung Beat Zoderers (*1955) wurde in diesem Sommer im Bonner Kunstmuseum gezeigt. Als Exponate aus den letzten zehn Jahren waren Installationen, Skulpturen, Wandobjekte und Papierarbeiten des Schweizer Künstlers zu sehen.

In Zoderers zentraler Arbeit “Raumfaltung” interagierten acht riesenhafte monochrom bemalte Rechtecke aus Preßspan mit dem über 200 m2 großen Ausstellungsraum. Dabei gelang es in großem Stil, für den Ort eine Panoramainszenierung von 360° zu schaffen und mit einem gegen den Strich gebürsteten ‘Bilderreigen’ zu bespielen, der in seiner räumlichen Verschachtelung nonchalant bis in die Türöffnungen hineinragte. Die kontrastreich eingefärbten Großformate erschienen gefaltet wie überdimensionierte Papierbögen nach Art eines ‘Giganten-Origamis’. Durch den Falz in zwei Teilflächen zerlegt, wurden sie so zwischen Wand und Boden eingepasst, dass sich die Knick-Linie parallel zur Bodenkante befand, die Oberteile der Hochformate aufrecht vor der Wand lehnten, während die unteren Partien, einander überlappend, den Boden besetzten. So entstand der verblüffende Eindruck von Farbfeldern, die es sich im Raum bequem gemacht haben. Auf anderer Ebene ließe sich die “Raumfaltung” auch als schräg uminterpretiertes ‘Poly-ptychon’ lesen, dessen starkfarbige Einzeltableaux fröhlich miteinander kommunizierten.

Beat Zoderer bezeichnete seine geknickten Überformate selbst als “in den Raum geklappte Farbfeldmalerei” und brachte damit die autoreferentielle Eleganz seiner medialen Verschränkung auf den Punkt. Dem zufolge ließe sich seine Raum-Intervention als ein wunderbar ironisches ‘Colourfield revisited’ lesen, taugte aber auch als aufschlussreiche Anspielung auf Ellsworth Kellys Shaped Canvases (oder ließe sich sogar entfernt als eine diskrete postkonstruktivistische Hommage…



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von Sabine Dorothee Lehner

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