Ausstellungen: München , 2000

Matthias Reichelt

Beate Passow – »White Pride«

und innerhalb der Ausstellung »Politeia«

Aspekte Galerie im Gasteig, München, 28.4. – 18.5.2000
und 11.7. – 10.8.2000

Direkte politische Bezüge in der gegenwärtigen Kunst wie z.B. bei Hans Haacke sind selten geworden. Zu den Ausnahmen gehört Beate Passow. Die in München lebende Künstlerin hat der jahrelangen Beschäftigung mit den überlebenden Opfern des Holocaust nun konsequenterweise eine serielle Arbeit folgen lassen, die sich mit der Internationale der neuen Faschisten befasst. Neun hochformatige, 190 x 124,5 cm große Fotografien zeigen immer wieder die gleiche Szene: Einen metallenen Schrank, wie er üblicherweise in Werkstätten anzufinden ist, vor einem computergenerierten Hintergrund mit Porträtbüsten Arno Brekers, die dieser zwischen 1952 und 1985 anfertigte. Die Türen des Schranks sind weit geöffnet und geben den Blick frei auf den Innenraum des Spinds. Im Zentrum der Bilder jeweils das weiße Hemd, das aus dem Schrank genommen, auf einem Bügel drapiert, darauf wartet, angezogen zu werden. Die linke Hemdbrust ziert das Emblem der jeweiligen neonationalistischen Partei. Rechts unten die schwarze Aktentasche, links oben die zum Halbkreis angeordneten Sterne, das Emblem der Europäischen Union. An der Innenseite der rechten Spindtür hängen weiße Blätter mit grafisch und bunt gestalteten Texten, die der Form nach unschwer als Internet-Ausdrucke zu identifizieren sind und von den Homepages der Parteien stammen. An den Innenseiten der linken Spindtüren befinden sich Masken unterschiedlicher Funktionen: Tarnmasken, Faschings- und Foltermasken. Soweit die formale Übereinstimmung der neun Bildinszenierungen. Jedes Bild widmet sich einem europäischen Land (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland, Schweden und Spanien) und einer…

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von Matthias Reichelt

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