Ausstellungen: Oxford · von Edgar Schmitz · S. 347
Ausstellungen: Oxford , 2003

EDGAR SCHMITZ

Candice Breitz: Re-Animations

Modern Art Oxford, 13.9.- 9.11.2003

Breitz isoliert Fragmente der Populärkultur und führt sie in ihrer Produktmonotonie vor, heißt es. Wenn in Diorama (2002) Bobby, JR, Sue Ellen und die anderen allzu bekannten Charaktermasken aus Dallas auf ewig in brutal reduzierte Aussagereste geloopt sind, oszillieren sie in einer präzise ausgereizten Spannung zwischen enthüllender Karikatur und reinem Lärm. Ausdrucksklischees werden hier auf die Spitze getrieben und ausgehöhlt, wenn ihre Sprachreste durch Schnitt und Loop zum ausweglosen Stammeln verkommen. Und wenn sich Olivia Newton John und John Travolta oder Richard Gere in Double Olivia (Hopelessly Devoted to You) (1977/2000) auf gegenüberliegenden Bildschirmen besingen, entfalten sich Hollywoods romantische Pathosformeln so in ihrer ganzen artifiziellen Zurichtung zum raumgreifenden Duett.

Versatzstücke müssen immer erst hergestellt werden, bevor sie zu Material werden können, und es geht in Breitz‘ Arbeiten erst mal immer um die Zerstückelungen von gegebenem Material und um die aus diesen Zerstückelungen hervorgehenden Fetzen. Darin liegt die aggressive Energie der Arbeit, die sich gegen die demonstrative Monotonie der verwendeten Vorlagen profiliert. Aber wie bei allen Versatzstücken geht es auch bei diesen Medienfetzen darum, was mit ihnen denn zu machen sein könnte. Breitz führt ihren populärkulturellen Fundus nicht einfach vor, sondern bindet ihn immer wieder mehrdeutig ein. Die Mikrodramen der Dallasfragmente werden in Interieurs vorgeführt, die sie mit Gebrauchtmöbeln aus Trödelläden für die verschiedenen Versionen der Arbeit immer wieder anders zusammenstellt. Aber der Teppichboden und die Fernsehtische und Sideboards, Betten und Sofas, auf und neben denen hier die DVD-Schleifen laufen und sich zum Klangteppich verdichten,…

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