Ausstellungen: München/Graz/Essen · von Michael Hauffen · S. 384
Ausstellungen: München/Graz/Essen , 1997

Michael Hauffen

Claude Cahun

»FOTOGRAFIEN«

Kunstverein München, 16.7. – 28.9.1997

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz, 4.10. – 3.12.1997

Museum Folkwang, Essen, 18.1. – 8.3.1998

Ein vor nicht allzulanger Zeit erst entdecktes Werk gibt zunächst vor allem wegen seiner Rezeptionsgeschichte Fragen auf, die jedoch keineswegs inaktuell sind. Genauer gesagt, handelt es sich um die Geschichte einer Nicht-Rezeption.

Unter dem Pseudonym Claude Cahun arbeitete eine Künstlerin mitten in dem kulturellen Milieu, das wir heute als Bewegung des Surrealismus kennen. Trotzdem taucht ihre Person und ihr Werk im Zusammenhang mit dieser Epoche bis vor ca. zehn Jahren nicht auf. Wie man sich jetzt auf einer umfassenden Ausstellung ihrer noch erhaltenen Arbeiten in München und Graz überzeugen konnte, kann es an der Qualität ihres fotografischen Konzepts nicht liegen.

Den zentralen Part darin nehmen Selbstporträts ein, die Cahun während ihres ganzen Lebens in immer neuen Varianten anfertigte. Die Reihe beginnt mit einem relativ konventionellen Porträt eines melancholischen jungen Mädchens als theatralisch-exotischem Sujet, um schon in einem zweiten Motiv von 1915 einen bewußten Akt der Distanzierung vom Kanon traditioneller Rollenmuster zu vollziehen. Der vor weißem Hintergrund aufgenommene Kopf ist durch ein weißes Tuch vom übrigen Körper losgelöst und erscheint so nur noch als Gesicht, als freischwebendes Zeichen. Dessen markantestes Attribut bildet eine dichte Haarpracht, die – durch den festen Blick unterstützt – Aufbegehren signalisiert.

Auf dem vierten Porträt sind die Haare bereits abrasiert. Und spätestens hier wird klar, daß es um ein radikales Spiel mit jenen Zeichen geht, die durch unseren Körper und seine Bekleidung gebildet werden und die vor allem auch unser jeweiliges…

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