Ausstellungen: Wien · von Vitus H. Weh · S. 405
Ausstellungen: Wien , 1998

Vitus H. Weh

Crossings

Kunst zum Hören und Sehen

Kunsthalle Wien, 29.5. – 13.9.1998

Offensichtlich ein Generationenproblem: Die älteren Kunstjournalisten nahmen die „Crossings“-Ausstellung in der Wiener Kunsthalle zum willkommenen Anlaß, in ihren Medien (FAZ, Die Zeit usw.) den Sehnsüchten der alten Hochkultur nachzugeben und nochmals vom „Hang zum Gesamtkunstwerk“ zu erzählen. Wie die vielfältigen Ansätze zur synergetischen Reunion – sei es die Oper, das Musical, die Liturgie oder eben die Ausstellung „Crossings“ – zeigen würden, ist die Trennung in die Kulturtechniken Musik und Bildende Kunst nicht viel mehr als ein bedauerlicher Irrtum.

Für das jüngere Publikum hingegen war die Ausstellung völlig uninteressant. „Crossings“ oder „Crossover“ bedeutet für die Generation ab 1960 nicht „Gesamtkunstwerk“, sondern POP. Heute laufen permanent Musikvideos in den TV-Kanälen. Star- als auch Fan-Sein wird allerorten ästhetisch zelebriert. Künstler gestalten Plattencover, malen Musiker oder treten selbst als Band oder DJs auf. Das alles natürlich nicht unbemerkt. Unter der Rubrik „Cultural Studies“ wird darüber an Universitäten gelehrt, und die entsprechenden Publikationen werden täglich mehr. Das KUNSTFORUM widmete dem Phänomen 1996 z. B. seinen Band 134 („Art & Pop & Crossover“) und 135 („Cool Club Cultures“). Erst jüngst erschien auch der Jahresring zu diesem Thema (Ulrike Gross u. Markus Müller (Hg.), „Make it Funky. Crossover zwischen Musik, Pop, Avantgarde und Kunst“, Oktagon Verlag 1998). Die wuchernde Schnittmenge von Kunst und Musik ist derzeit offensichtlich für viele interessant.

Um so bedauerlicher war es, daß die Ausstellung „Crossings“, die im Vorfeld von den Veranstaltern gern als Wagnis und Experiment angekündigt worden war, diese Herausforderung gar nicht annahm. Konzeptionell…

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