Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · von Andreas Denk · S. 446
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1999

Andreas Denk

Darboven in concert

Eine Reihe in Berlin und Bonn widmet sich Kompositionen bildender Künstler

Die Frage nach der musikhistorischen Bedeutung von Marcel Duchamps „Erratum Musical“ oder von Kurt Schwitters‘ „Ursonate“ ist bislang unbeantwortet. Ihr möglicher Einfluß auf spätere elektronische Kompositionen und die Minimal Music bleibt undeutlich, weil kompositorische Versuche von Künstlern meistens nur einem kleineren – und dann vorwiegend an bildender Kunst interessierten – Publikum bekannt werden. Der Grad der Unkenntnis solcher Arbeiten mag auch daran liegen, daß wirkliche Doppelbegabungen in diesen beiden Feldern vergleichsweise selten sind. Trotz Wassily Kandinskys Postulat der Analogie von Farbe und Klangfarbe in seiner Schrift „Das Geistige in der Kunst“ (1912) und dem damit verbundenen Versuch einer gemeinsamen Grundlegung aller Künste: Zumindest in der jüngeren Vergangenheit wurden die meisten, die beide Felder beackerten, trotz durchaus schätzenswerter Kombinationsversuche fast immer nur in einem der Arbeitsfelder bekannt – von Yoko Ono reicht die Reihe über Brian Eno und Laurie Anderson bis zu Albert Oehlen, Werner Büttner und Walter Dahn.

Dennoch darf als sicher gelten, daß gerade bildende Künstler in der Anverwandlung ihrer bildnerischen Konzepte für musikalische Zwecke Beachtliches geleistet haben. Die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin und die Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes widmen wohl auch deshalb ab Mai 1999 im Rahmenprogramm der Ausstellung „Das XX. Jahrhundert – ein Jahrhundert Kunst in Deutschland“ den Musikwerken bildender Künstler eine eigene, gemeinsam veranstaltete Reihe. Sie wurde von Ingrid Buschmann, Gerd de Vries, Gabriele Knapstein und Matthias Osterwold konzipiert und findet in Kooperation mit den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, dem…

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