Ausstellungen: Bremen · von Rainer Unruh · S. 270
Ausstellungen: Bremen , 2016

Das Loch

Künstlerhaus Bremen 20.08. – 06.11.2016
von Rainer Unruh

Die Karriere des Lochs in der Kunst begann am 15. April 1920. Damals stanzte Francis Picabia in Paul Eluards Zeitschrift „Proverbe“ eine Öffnung in das Papier und nannte das Werk „Bracelet de la vie“. Schaut man heute auf das Blatt, wirft es fast so viele Fragen auf wie damals. Man kann das Loch als ein Nichts sehen oder als etwas, das einen Durchblick eröffnet, oder aber als Ausgangspunkt einer Schwellenerfahrung wie bei Lewis Carrolls Alice, die durch ein Loch in das Wunderland fällt.

Fanny Gonella, Sasha Rossman und Gergana Todorova, Kuratoren der Ausstellung „Das Loch“ im Künstlerhaus Bremen, haben sich für eine multiperspektivische Herangehensweise entschieden, die über den Bereich der Kunst hinaus zahlreiche Dokumente aus der Kultur- und Technikgeschichte präsentiert. Dafür gibt es gute Gründe. Viele zeitgenössische Künstler beziehen sich in ihren Arbeiten auf die Verwendung des Lochs in anderen Kontexten. Die Öffnung steht einerseits für eine kühle, rechenhafte Logik, wie sie in der Lochkartentechnik als Vorläufer unserer digital gesteuerten Gegenwart verkörpert ist, andererseits aber auch für etwas Mystisches, das sich unserer Anschauung entzieht und hinter der Oberfläche lauert.

Keith Edmier bringt in seiner Holzskulptur „Young nun (Sr. Alicia Torres)“ beides zusammen: Die Arbeit stellt eine junge Nonne aus Chicago dar, die durch ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken bekannt wurde, also einem Kommunikationsmedium, das ohne moderne Computertechnik unmöglich wäre. Die traditionelle Form, bei Holzschnitzern aus Bayern bestellt, wurde durch eine Armbanduhr, eine an die Brust gepresste Schale und last but not least eine…


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