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Monografien / Gespräche mit Künstlern · von Thomas W. Kuhn · S. 222 - 231
Monografien / Gespräche mit Künstlern , 2016

Stefan Thiel

Codes des Begehrens
von Thomas W. Kuhn

Das erotische Sujet gehört in einem zunehmenden Maße erneut zu den schwierigeren Themen der Bildenden Kunst. Während Internetforen diverser Couleur an expliziten Darstellungen überquellen, befinden sich sexuell aufgeladene künstlerische Inhalte auf einem schwierigen Terrain. Auf der einen Seite gilt das Konzept einer selbstbestimmten und ebenso freizügig artikulierten Sexualität für bestimmte Kreise als Ausgeburt „westlicher Dekadenz“. Auf der anderen Seite wird sie in nennenswerten Teilen soziopsychologisch als Manifestation einer Machtstruktur interpretiert, die insbesondere die Rollen eines kommunikativen Spiels und eines emanzipatorischen Prozesses als Grundlage für gesellschaftliche Ausbeutung und Unterdrückung, bis hin zum Rassismus definiert.

Stefan Thiel, 1965 geboren in Tegel, bewegt sich mit einem großen Teil seines Werks auf diesem schwierigen Feld, das vor Tabus nur so wimmelt. Sadomasochismus, Fetischismus, Exhibitionismus, Voyeurismus und Homosexualität sind wesentliche Themen des Künstlers, der in Berlin bei Dieter Appelt studierte. Schon 1992 bis 1998 setzte sich Stefan Thiel auf nahezu manische Weise mit der Brailleschrift und De Sade auseinander. Es folgten seine Paper-Cuts, präzise Papierschnitte nach der Vorlage von Fotografien, die in verschiedenen Variationen signifikant für sein künstlerisches Werk geworden sind. Trotz ihres offensichtlich diskursiven Charakters, verzichten diese Bilder nicht auf eine sehr unmittelbar wirkende ästhetische Anziehungskraft. Diese im Kern subversive Affirmation des Bildes teilt Stefan Thiel mit dem Kreis an nordamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern, die als „The Pictures Generation“ diskutiert werden. Eine größere Einzelausstellung des künstlerischen Werks fand 2012 unter der Leitung von Oliver Zybok in der Galerie der Stadt Remscheid statt.

T. W. Kuhn:


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