Titel: postdigital 1 · von Kolja Reichert · S. 142
Titel: postdigital 1 , 2016

Heinrich Dunst

„Der Glaube an die Übersetzbarkeit ist nackter Terror“

Ein Gespräch von Kolja Reichert

Als Teil der Wiener Neo-Geo-Bewegung der 1980er-Jahre um Marcus Geiger, Heimo Zobernig und Gerwald Rockenschaub betrieb Heinrich Dunst die Dekonstruktion abstrakter Malerei, indem er sie in minimalistische Installationen überführte. Die Infragestellung von Werk- und Medienformen in der Nachfolge von Marcel Broodthaers brachte ihn ab 2006 dazu, Performances (etwa „Korrektur“, 2013) einzusetzen, die in ihrer Serialität an die Konkrete Poesie anknüpfen, wie sie in den 1950er-Jahren insbesondere die Wiener Gruppe um Konrad Bayer und Friedrich Achleitner entwickelt hatte. Die Sprach- und Zeichenkritik der Konzeptkunst wird von Dunst auf den sprechenden und zeigenden Körper rückbezogen. Performance, Text, Skulptur sowie Filmprojektion kommentieren einander und steuern in die Aporien zwischen Sicht- und Sagbarem. Das macht Dunsts Werk so anschlussfähig für Diskussionen der postdigitalen Kondition mit ihren Übersetzungsprozessen, in der Zuschreibungen wie Autor, Werk und Bedeutung prekär geworden sind. Wiederkehrendes Material in Dunsts Installationen sind rosafarbene Wärmedämmplatten des Herstellers Austrotherm, die sich sowohl auf den laut- und wärmeproduzierenden Künstlerkörper wie auf die Ökonomie des Industriestaats Österreich beziehen. Mit ihnen kleidet Dunst Böden oder Wände von Ausstellungsräumen aus. Oft lehnen Buchstabenfolgen an der Wand, die auf sich selbst zurück fallen, und ein stotterndes Alphabet bilden, das nie zum Abschluss kommt.

Heinrich Dunst tritt auch als Kurator in Erscheinung. In „Riss Lücke Scharnier A“ in der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder spitzte er etwa die komplexen und unzuverlässigen Verhältnisse von Bild, Sprache und Ding zu.

Dunsts Installationen wie etwa „Da“ in der Wiener Secession 2014 lassen…

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