Monografien / Gespräche mit Künstlern · von Emmanuel Mir · S. 242
Monografien / Gespräche mit Künstlern , 2016

Roland Schappert

Undecidable problems

Drei Interventionen von Roland Schappert

von Emmanuel Mir

Malerisch oder grafisch, sprachlich oder visuell, autonom oder ortsbezogen; eindeutige ästhetische Kategorien definieren Roland Schapperts Vexierspiele nur unzureichend. In neuen Werkreihen in Mannheim und Düsseldorf wird die Bandbreite dieses hintersinnigen Werkes spürbar.

Fakten

Zunächst zu den Fakten. Roland Schappert malt, zeichnet, näht und fotografiert Bilder. Auf Leinwand, auf Glas, auf Papier, auf Wänden. Mit Bleistiften, Ölfarben, Tusche oder als Photoshop-Montage. Immer wieder Portraits von sanft blickenden Frauen, viel öfter aber Textbilder mit Sätzen wie WOFÜR BRENNST DU oder ICH LIEBE DICH FREI. Die Textbilder werden in einer dem Künstler eigenen Typographie verfasst: rund, weich und geschwungen oder kantig, wobei Buchstaben mit Buchstaben zu komplexen Zeichen fusionieren. Wenn sie auf Wände gemalt werden, verschwindet ein Großteil der Bilder nach ein paar Monaten – übermalt, verwischt, abgeblättert.

Im Juli dieses Jahres hat Roland Schappert eine Reihe von circa 35 Wandarbeiten auf dem Gelände des Benjamin Franklin Village in Mannheim realisiert. Im Juni hatte er bereits ein Mural in der Kunsthalle Düsseldorf produziert. Im September bespielte er die über 2.000 Quadratmeter große Fläche des alten Capitol-Kinos in Düsseldorf.

Das Benjamin Franklin Village war die größte Siedlung der US-amerikanischen Streitkräfte in Deutschland. Der 2012 endgültig verlassene Komplex bestand aus ganzen Wohnvierteln, Werkstätten, Sportanlagen, mehreren Kirchen, Schulen, Geschäften und diversen administrativen Gebäuden, die sich insgesamt auf 144 Hektar erstreckten. Das Capitol-Theater wurde 1928 als Kino erbaut und erfüllte diese Funktion bis 1969. Mit über 1.000 Plätzen war es lange Zeit…

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