Titel: postdigital 1 · von Katja Kwastek · S. 122
Titel: postdigital 1 , 2016

Hito Steyerl

„Die Realität hat sich erweitert, und ich folge ihr“

Ein Gespräch von Katja Kwastek

Hito Steyerls Videos und Texte bieten scharfsinnige Analysen der gegenwärtigen Gesellschaft. Die Künstlerin beschäftigt sich mit globalen Finanz- und Warenflüssen, mit Arbeitsverhältnissen im Neoliberalismus, und sie übt Institutionskritik, die weit über die Institution des Museums hinausgeht. Sie spürt visuellen Regimen nach und reflektiert die Macht der Bilder, als Medien unserer Weltwahrnehmung und als Träger und Strukturgeber von Informationen.

In Steyerls jüngeren Arbeiten spielen digitale Technologien oft eine zentrale Rolle. Dies gilt nicht nur für deren formale Realisierung, die in zunehmendem Maße auf digitaler Postproduktion beruht, sondern auch hinsichtlich der Themen der Filme. Digitale Informationsflüsse sind in Steyerls Videos aktive Agenten, nicht nur in physikalischen, sondern auch in gesellschaftlichen und sozialen Prozessen.

Trotz des deutlich essayistischen Charakters ihrer Filme, sieht sich Steyerl als Dokumentaristin. Die Realität sei durch digitale Technologien erweitert worden, so Steyerl im folgenden Gespräch, und sie folge ihr. Mit einem sicheren Gefühl für Bildschnitt und Rhythmus schafft die Künstlerin mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit immersive, aber keineswegs bruchlose Montagen aus Computeranimationen, Screenshots, Found Footage aus den Massenmedien, und selbst gedrehten Szenen.

Katja Kwastek: In Deinem Video „How Not to be Seen: A Fucking Didactic Educational .MOV File“ (2013) inszenierst Du Transformationen vom Digitalen zum Materiellen, und anders herum. Da gibt es Pixel, denen Du menschliche Eigenschaften zuschreibst oder „Render Ghosts“, die als Personifikationen von marginalisierten Bevölkerungsgruppen dienen. Die Verschmelzung von digitalen Technologien mit unserer materiellen Umwelt ist auch einer der zentralen Aspekte, den der Begriff…

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