Magazin: Museen & Institutionen , 1997

Marius Babias

Das Marx-Mausoleum

Der Hamburger Bahnhof, zuerst Präsentationsort aller Berliner Kunstsammler, jetzt als »Museum für Gegenwart« maßgeschneidert für den Sammler Erich Marx

Die Geschichte ist schnell erzählt. Am 3. November `96 eröffnete feierlich der „Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin“. Umbaukosten vom Land Berlin: 100 Millionen Mark. Architekt: Josef Paul Kleihues. Wolf-Dieter Dube, Generaldirektor der Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hatte die ursprüngliche Misch-Konzeption vom Tisch gewischt. Wer nicht zur Sammlung Erich Marx gehörte, flog raus. Hinter den Kulissen zog Marx-Berater Heiner Bastian die Fäden.

Mitten im Vertragspoker mit dem Sammler Erich Marx Anfang 1994 hatte der Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Wolf-Dieter Dube, noch verkündet: „Der Hamburger Bahnhof ist kein Sammlermuseum, dazu sind die Bestände der Nationalgalerie, des Kupferstichkabinetts, des Kunstgewerbemuseums und der Kunstbibliothek zu groß.“ Zweieinhalb Jahre später gilt das Gegenteil: Das „Museum für Gegenwart Berlin“ wurde zu einem gigantischen Marx-Mausoleum umgestaltet. Vom Erfolg der neu eingerichteten Sammlung Berggruen im Stüler-Bau elektrisiert, kegelte Dube kurz vor Eröffnung die Nicht-Marx-Künstler/innen Rebecca Horn, Christina Kubisch, Rolf Julius, Piotr Nathan, Raimund Kummer u.a. aus dem von Stararchitekt Josef Paul Kleihues umgebauten Bahnhof. Aus den Sammlungsbeständen der Neuen Nationalgalerie wurden Klassiker vom Kaliber Mario Merz aufgenommen. Die unter Wulf Herzogenrath angekauften Bill Viola, Peter Campus und Gary Hill standen lange auf der Kippe, weil Bastian nichts von Video-Kunst hält. Dube akzeptierte entgegen der ursprünglichen Konzeption jetzt nur jene Zeitgenossen, die zu Marx gehören: Matthew Barney, Jeff Koons, Fiona Rae oder Rachel Whiteread. Auf die Geschlossenheit der Präsentation hatten der…

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von Marius Babias

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