Magazin: Publikationen · von Jochen Becker · S. 486
Magazin: Publikationen , 1997

Den Tiger reiten

Dieter Hoffmann-Axthelm »Anleitung zum Stadtumbau«

„Wenn ich im Plan statuiere, in einem Gebiet mit offener Bauweise dürfe es keine Schornsteine geben, dann habe ich, (…) ohne mich auf das Gebiet der Sozialpolitik zu begeben, eine schichten- bzw. einkommensspezifische Zuordnung vorgenommen: ein Villenquartier gesichert. (…) Eben das ist das Kunststück der berühmten Frankfurter Zonenordnung von 1893“, beschreibt Dieter Hoffmann-Axthelm, ehemals Theoretiker einer ‚behutsamen Stadterneuerung`, die Kniffe der Planerkollegen. In seiner ‚Anleitung zum Stadtumbau` steht nicht mehr allgemeine Stadttheorie, sondern deren „Durchsetzung im Vordergrund“. Plötzlich liest sich der Leitfaden wie eine Gebrauchsanweisung und meint der hier vorgeschlagene Stadtumbau längst schon die konkrete Überholung der Stadt. Denn mitten hinein in die Buchlektüre platzte der heftig geführte Streit um das Berliner ‚Planwerk Innenstadt`, welches von Dieter Hoffmann-Axthelm im Senatsauftrag entscheidend geprägt wurde und eine tiefgreifende Umgestaltung innerstädtischer Bereiche vorsieht.

„Was man fachlich will, muß man zugleich medial durchsetzen. (…) Stadtumbau beginnt im Kopf.“ Um- und Rückbau sind nicht nur im ärmeren Ostteil Berlins gefürchtete Vokabeln, ziehen sie doch neben dem Angriff auf das Selbstverständnis vor allem Verdrängung und Abriß mit sich. Zur ‚Planung zwischen Politik und Investoren` gewährt Hoffmann-Axthelm im Kapitel 14 einen Einblick in Interna, Machtverhältnisse und Befindlichkeiten: „Wer mit einem Investor verhandelt, muß wissen, mit wessen Geld er baut – eigenem oder fremdem, Anleger- (Fonds) oder Kreditgeld – und an welcher Stelle des höchst arbeitsteiligen Geschäfts er sein Geld verdient: als Entwickler, Finanzier, Bauträger oder Betreiber.“ Hoffmann-Axthelm ist ein Mann der durchsetzenden Praxis. Er mag die „Polarisierung in Sieger, die mitschwimmen können,…

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