Kommentar , 1997

Konrad Fischer alias Konrad Lueg

Ein kapitalistischer Realist auf Abwegen

Ein Nachruf von Heinz-Norbert Jocks

Es gibt Menschen, Künstler zumal, die einem in ihrer physischen, gestischen und mimischen Präsenz noch lange vor Augen stehen und mit ihrer verlegenen Art, mit Wörtern umzugehen, noch lange im Ohr sein werden. Zu ihnen gehört Konrad Fischer, der sich zunächst als Künstler Konrad Lueg einen Namen machte, bis er die Malerei ganz an den Nagel hing, damit radikal brach, um Künstlermacher zu werden. Zuvor jedoch verhalf er der Pop-art in Deutschland zu mehr Bodenhaftung. Ob er die dem TV entflutende Bilderwelt, den Boxer in Deckung, den Fußballspieler im beschmutzten Trikot, Idole seiner Zeit oder die Aufsichtsratssitzung mittels grober Rasterung malte, ob er mit Farbrollen, wie sie zum Streichen von Wänden verwendet wurden, ein Muster auf der Leinwand hinterließ, das wie eine Tapete erscheint, oder ob er Gummibärchen zu skulpturalen Objekten erklärte, er ging mit den Klischees wie mit etwas ganz Normalem und Selbstverständlichem um. Kein Ehrgeiz, sie zu kritisieren, eher ein Spaß an der Freude, Reklameeffekte à la Roy Lichtenstein zu erzielen, dem er sich anfangs verbunden fühlte.

Sein plötzlicher Wechsel vom Maler zum Händler auf Anregung seines Galeristen Alfred Schmela war für ihn keine Verlegenheitslösung aus dem Gefühl heraus, so besser über die Lebensrunden zu kommen, sondern eine Profession aus tiefster Überzeugung. Seine schlanke große Gestalt und deren Zögerlichkeit, sein nicht von allen verstandener Zwischen-den-Zeilen-Humor, der in Charakter, seine leichte Schlacksigkeit, der Verzicht auf alles Rhetorische, der Minimalismus im Verbalisieren von Dingen, vor denen er eher sprachlos…

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von Heinz-Norbert Jocks

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