Magazin: Publikationen · von Jutta Schenk-Sorge · S. 482
Magazin: Publikationen , 1997

Jutta Schenk-Sorge

Was/wie/wo – die Kunst in der KUNSTZEITUNG

Die Dame im Strickkostüm eine Reihe vor mir hatte das Ganze viel besser erfaßt. Begeistert dankte sie den Vortragenden, dem Herausgeberpaar der KUNSTZEITUNG, Lindinger und Schmid. Großartig, daß sie eine solche Zeitung machten und auch noch gratis offerierten. Das Blatt biete die entscheidenden Informationen in genau der richtigen Form. Als Leserin der KUNSTZEITUNG habe sie jetzt endlich, endlich das Gefühl dazuzugehören. Genau das streben die Blattmacher auch an. Über ein kostenlos verteiltes Anzeigenblatt wollen sie Nicht-Insider erreichen und ihnen durch locker dargebotene Informationen die Angst vorm Betreten des elitären Kunstrasens nehmen. Eine pfiffige Idee. Die Zeitung ist informativ, solide und auf faktische Aktualität konzentriert. Viel Personalien, Künstler, Sammler, Kuratoren, Direktoren, Galeristen u.ä. werden abgehandelt. Darunter mischen sich Ausstellungstips, Kommentare und Meinungsumfragen, etwa zu den derzeitigen Künstler-Favoriten oder zur Kunst im nächsten Jahrtausend. Kein Zweifel, es blättert sich angenehm in der KUNSTZEITUNG. Was also gibt’s zu meckern? Eigentlich nichts. Der Zufall wollte es nur, daß ich ausgerechnet an dem Tag über ein prägnantes Statement von Maria Eichhorn stolperte. „Ich will der Welt nicht noch mehr Schrott hinzufügen“, begründete sie ihre Unlust am Produzieren materieller Kunstwerke. Eichhorn ist natürlich nicht die erste Künstlerin mit solchen Aversionen. Trotzdem nahm ich mir ihre Worte zu Herzen, hänge ich doch immer noch an der optimistischen Vorstellung von der Kunst als Speerspitze des gesellschaftlichen Bewußtseins. Im übrigen kam mir Eichhorns apodiktische Aussage nur zu gelegen, hatte ich doch gerade das Radio abgewürgt, um den unaufhaltsam herausquellenden Informationsmüll zeitweise zu…

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von Jutta Schenk-Sorge

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