Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · von Peter Nesweda · S. 481
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1997

Peter Nesweda

Johanna Kandl

Wien darf nicht Chicago werden! Mit diesem Slogan punktete die Freiheitliche Partei Österreichs anläßlich der letzten Gemeinderatswahlen bei den xenophoben Wienern. Anders als in Chicago, wo die Künstlerin Johanna Kandl eine Aktion durchführte, die sich mit der dortigen Polizeipraxis kritisch auseinandersetzte und dabei unbehelligt blieb, wurde sie in Wien verhaftet und in Handschellen abgeführt. Im Gegensatz zu Chicago, wo sie mit der an einer Hausfassade angebrachten Aufschrift „NO LOITERING“ (Herumlungern verboten) darauf aufmerksam machte, daß herumstehende – meist farbige – Jugendliche regelmäßig von der Polizei schikaniert werden, wollte sie in Wien nur ein Kunstwerk aus dem geschützten Museumsraum heraus auf die Straße transferieren. Dazu malte sie im Rahmen der Ausstellung „BALANCEAKTE“ des Niederösterreichischen Landesmuseums ein gelbes Quadrat mit Kreide auf den Gehsteig vor der Museumstür. Neben ihr hing ein Schild an der Wand mit einem Zitat aus dem Film „TRANSPOTTING“: CHOOSE LIFE, CHOOSE A JOB, CHOOSE A CARIER. Nachdem ihre Malaktion zweimal im Abstand von einer Woche (der Zeitraum, in dem eine Pflastermalerei wieder verschwindet) problemlos abgelaufen war, wurde sie beim drittenmal von einem Polizeibeamten angesprochen und zur Ausweisleistung aufgefordert. Kandl leistete dem Folge und trat anschließend durch die Museums-tür, hinter der sie ihre Tasche deponiert hatte. Der Polizist folgte ihr, hielt sie am Arm fest und führte sie unter Zuhilfenahme zweier Kollegen, die er herbeigerufen hatte, in Handschellen ab. Johanna Kandl, Vorstandsmitglied der Wiener Secession, wurde 4 Stunden lang festgehalten und erst auf Intervention des Landeshauptmanns von Niederösterreich, Erwin Pröll, freigelassen. Ihr droht nun ein Verfahren wegen…

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