Titel: Politik, Ethik, Kunst - I. Politische Kunst · von Larissa Kikol · S. 78
Titel: Politik, Ethik, Kunst - I. Politische Kunst , 2018

Der Siegeszug des politischen Bastelns

Über „Power to the people – Politische Kunst Jetzt“
ein Interview mit der Kuratorin der Ausstellung Martina Weinhart von Larissa Kikol

Die Ausstellung Power to the people – Politische Kunst Jetzt der Schirn Kunsthalle Frankfurt scheint sich ganz dem Kreativitätsimperativ der Do-it-yourself-Generation verschrieben zu haben. Auffällig ist die selbst gebastelte Ästhetik der Werke: aufgehängte Zeitungen, bedruckte T-Shirts, ein Protest-Schiff im Baumarkt-Flair, ein gepimptes Fahrrad im Stil der jugendlichen Protest-Ironie, Readymades, dokumentarische Fotos, bunt genähte Stoffbanner und Schilder aus einfachen Schablonen. Die klassische Malerei und Skulpturen ohne Readymade-Charakter sind stark in der Minderheit. Doch das Ambiente der Bastelkeller-Kreativität folgt konsequenterweise dem Narrativ der Ausstellung: Macht des Volkes! Protestwerkzeuge für alle! Mobilisierung für jeden! Werke die teure Materialien, eine Überlegenheit durch künstlerische Handwerksmeisterschaft oder das technische Know-How von Experten zu sehr in Szene setzen, würden diese Aufforderungen konterkarieren. Passenderweise setzt auch das Vermittlungsprogramm auf Protestschilder und die gebastelte Demonstrationsästhetik. Kunst, die das politische Basteln verkörpert, ist aber nicht nur in Kunsthallen und auf der Documenta beliebt. Viele der vertretenden Künstler, stellen gleiche oder ähnliche Werke auch in Verkaufsräumen von Galerien und Kunstmessen aus. Die übergroßen Stoffbanner von Phyllida Barlow oder die Like-Schilder von Mark Flood waren beispielsweise schon 2017 auf der Art Basel zu sehen. Die Schirn-Ausstellung zeigt deutlich den Zeitgeist einer gegenwärtigen, politischen Kunstbewegung. Zwei Dinge, besser gesagt, zwei Imperative kommen in diesem „Stil“ zusammen: Setze ein politisches Zeichen! Sei kreativ!

Symptomatisch, gerade für letzten Imperativ, sind auch diese Statements: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ „Es…


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