Ausstellungen: Berlin · S. 340
Ausstellungen: Berlin , 1990

Marius Babias

Die Endlichkeit der Freiheit

Stadtraum von Berlin Ost und West, 1.9. – 7.10.1990

Das Projekt „Die Endlichkeit der Freiheit“, einzige Ausstellung von internationalem Format in Berlin dieses Jahr, war mit Spannung erwartet worden, hauptsächlich aus zwei Gründen. Der eine betraf den Umstand, daß die Initiative von Rebecca Horn, Jannis Kounellis und Heiner Müller ausging, also direkt von Künstlern und nicht von Museumskuratoren und Ausstellungsmachern. „Die Endlichkeit der Freiheit“ setzte ein Zeichen gegen die konjunkturbedingte Austellungsmacherei im internationalen Kunstzirkus. Scheinbar negierte sie auch die Totalität bzw. Banalität einer ästhetischen oder thematischen Rezeptur, mit der die meisten Großausstellungen hausieren gehen. Künstlerischer Ausdruck ist stets diffuser als die Meinung der Interpreten. Die Erkenntnis in diese Sprachlosigkeit der Kunst brachte der Titel der Ausstellung zum Ausdruck, den Heiner Müller prägte. Er ist so unentschieden, mehrdeutig und widersprüchlich wie Kunst und ihre Entstehungsbedingungen selber. Insofern trifft er auch sehr genau jene politische Unentschiedenheit, die man zeitgenössischer Kunst nachsagt. Er trifft aber auch die allgemeine politische Unsicherheit kurz vor bzw. kurz nach der deutsch-deutschen Vereinigung.

„Die Endlichkeit der Freiheit“ – dies der zweite Grund, warum man gespannt sein durfte – hatte eine politische Ambition. Allein die Ausstellungsdaten aktualisieren umwälzende Ereignisse der Zeitgeschichte und betonen das Recht der Kunst, sich einzumischen. Die Ausstellung eröffnete am 1. September, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs durch den Angriff auf Polen, und sie endete am 7. Oktober, dem 41. Gründungstag der nicht mehr vorhandenen DDR. Vollends als historisches Kuriosum erschien das im Stadtraum von Berlin-Ost und -West realisierte Ausstellungsprojekt dadurch, daß es parallel…

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