Biennalen: Biennale Lyon · von Amine Haase · S. 436
Biennalen: Biennale Lyon , 2000

Amine Haase

Die Nomaden der Welt

Jean-Hubert Martin zeigt »Partage d’Exotismes«
bei der Biennale von Lyon 2000

26. Juni bis 24. September 2000

Vor zwei Jahren stellte Harald Szeemann auf der Biennale von Lyon „L’autre“, den Anderen, in den Mittelpunkt. Die Fortsetzung mit „Partage d’Exotismes“, also geteiltem Exotismus – wohlgemerkt im Plural –, scheint logisch, ja geradezu notwendig zu sein. In Frankreich weiss man, wovon Jean-Hubert Martin spricht, wenn er diese Vokabeln mixt. Dort ist der Alltag schon seit langem farbiger als in Deutschland, und die Diskussion über den Anderen oder die Exotismen wird nicht allein auf politisch-gesellschaftlicher Ebene geführt, sondern auch im Bereich der Kunst. Jean-Hubert Martins Ausstellung „Magiciens de la terre“ (Zauberer der Erde) 1989 im Centre Pompidou und den Hallen von La Villette war ein Meilenstein der Erkenntnis – auch wenn das erst mit fast zehnjähriger Verspätung erkannt wurde. Inzwischen nehmen sich die Biennalen der Welt des Themas an, und je nachdem, von wo aus der Blick auf das (Kunst-)Geschehen gerichtet wird, ist immer ein anderer „der Andere“ unter den Nomaden der Welt. Und so teilen wir tatsächlich die Exotismen zwischen Sao Paolo und Johannisburg, Shanghai und Berlin.

Je mehr Biennalen es in der Welt gibt, desto intensiver wird über ihren Sinn und Zweck diskutiert – wie kürzlich auch bei einem Symposium in Kassel, wo der künstlerische Leiter der nächsten documenta, Okwui Enwezor, sich exponierte, indem er die Dominanz des „westlichen Blicks“ kritisierte. Warum hat er die Biennale von Lyon übersehen, die zwar von Experten auf die Beine gestellt wurde, die…

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