Gespräche mit Künstlern · von Dieter Daniels · S. 258
Gespräche mit Künstlern , 1987

Die Wirklichkeit der Utopie

Jean Tinguely über den „Kopf“ im Wald

VON DIETER DANIELS

»Ich habe verschiedene Ideen, vor allem eine Idee. (…) es ist ein immenses Stück von dem ich träume und das ich eines Tages bauen werde. Du kannst sicher sein, es wird eine gültige Lösung für die Integration der Bildenden Kunst in die Architektur sein. Es ist eine große Skulptur, in der die Leute umhergehen. (…) Aber sie ist nicht utopisch. Ich will sie nicht unter der wunderbaren Rubrik der Utopischen Skulptur fungieren lassen. (…) aber ich will gar nicht davon sprechen, denn ich will nicht, das man etwas davon stiehlt, weder ein Detail noch eine Idee, nichts.«1

So Tinguely in einem Interview von 1966, schon 3 Jahre bevor die ersten Schritte zur Verwirklichung des Projekts unternommen wurden, das heute als der »Kopf im Wald«, über 20 Meter hoch, südlich von Paris im Wald von Fontainebleau steht.

Neben seiner Karriere als Künstler, die ihn zwischen Europa, USA und Japan berühmt machte, leistet es sich Jean Tinguely seit 17 Jahren, einen großen Teil seiner Energie in dieses Unternehmen zu stecken, das, – außerhalb jeglichen Kunstmarkts und Museumsbetriebs, – wie ein Monument für die Zweckfreiheit der Kunst erscheint.

Tinguely ist hiermit wieder an den Ort zurückgekehrt, wo seine Kunst begann, bevor sie eigentlich Kunst war, – in den Wald. In demselben Interview von 1966 berichtet er davon, daß er mit 13 oder 14 Jahren entlang eines Waldbachs wassergetriebene Maschinen baute, die mit ihrem mechanischen Konzert vielfältiger Töne den Wald erklingen ließen, – »ohne dabei auch…

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