Ausstellungen: Baden-Baden , 2002

JOHANNES MEINHARDT

Die Wohltat der Kunst

Post/Feministische Positionen der neunziger Jahre aus der Sammlung Goetz

Kunsthalle Baden-Baden, 14.9. – 10.11.2002

Die zentrale Frage, die mit dieser Ausstellung von Arbeiten von zwanzig Künstlerinnen (darunter drei Künstler: Matthew Barney, Jonathan Horowitz, Mike Kelley) aus dem Bestand der Sammlung Goetz gestellt wird, ist die Frage danach, wie sich die Positionen des Feminismus und der feministischen Kunst seit den heroischen Jahren des Feminismus, seit späten sechziger und den siebziger Jahren, verändert haben. Und die Auswahl der Arbeiten gibt darauf eine deutliche Antwort: während der klassische Feminismus und die klassische feministische Kunst hauptsächlich mit der Definition der Weiblichkeit (in Abgrenzung zu den gesellschaftlich vorgeschriebenen Rollen von Weiblichkeit) und damit der Erforschung einer anderen, weiblichen Erfahrung, eines anderen Blicks, einer anderen Kommunikation, einer anderen Sexualität beschäftigt waren, während also eine solche Erforschung von einem leitenden, oft als wesentlich verstandenen Gegensatz von männlich und weiblich ausging, hat der Feminismus der neunziger Jahre diesen wesentlichen Gegensatz (oder diese wesentliche, durchaus auch in der Biologie verankerte Differenz) in ein offenes Spiel von unterschiedlichen Differenzen aufgelöst. Männlichkeit und Weiblichkeit sind ebenso wie andere Typen von scheinbar wesentlichen oder sogar natürlichen Unterschieden (besonders die Abgrenzungen der Rassen, aber auch die Abschottungen von Klassen innerhalb einer Gesellschaft und von Kulturen gegeneinander haben die Tendenz, sich zu ‚vernatürlichen‘ oder zu ‚essentialisieren‘, als biologisch begründete, unveränderbare Unterschiede gesellschaftlich definiert zu werden) historisch konstruierte Differenzierungen, welche ihre eigene Geschichtlichkeit als Instrumente von Herrschaft zu verleugnen und zu vergessen suchen. #####All diese scheinbar unmittelbaren Wirklichkeiten des Körpers (besonders Rasse und…

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von Johannes Meinhardt

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