Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst · von Maria Anna Tappeiner · S. 50
Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst , 2015

Durch Zeit und Raum

Werke zur Wiedervereinigung

von Maria Anna Tappeiner

Unbestritten ist die Wiedervereinigung Deutschlands eines der wichtigsten politischen Ereignisse Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit dem Zusammenschluss von zwei derart unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Systemen in Ost- und West-Deutschland im Zuge einer friedlichen Revolution hatte bis kurz zuvor niemand gerechnet. Weltpolitisch markiert die Deutsche Einheit auch die massive Abkehr von Kommunismus und Sozialismus und somit das Ende des Kalten Krieges, der sich über vier Jahrzehnte für alle sichtbar in Deutschland manifestierte, insbesondere im geteilten Berlin. Aus der Bewegung „Wir sind das Volk“, deren Mehrheit anfangs noch die eigenständige Demokratisierung der DDR favorisierte, wurde die Losung „Wir sind ein Volk“, in der viele die Lösung aller Probleme in einer möglichst schnellen Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland sahen.1 Vor diesem Hintergrund wird oft vergessen, dass Deutschland mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erstmals seit 1945 wieder die vollständigen Rechte eines souveränen Staates erhielt und dass erst damit auch der Zweite Weltkrieg mit allen seinen Konsequenzen zu einem politischen Endpunkt kam. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Vergangenheitsbewältigung das beherrschende Thema deutscher Innenpolitik gewesen. Fast gleichzeitig wurde die globale Marktwirtschaft mit ihrem Wachstumsdiktat zum konkurrenzlosen Leitgedanken, und die Medialisierung fast aller Lebensbereiche begann ihren Siegeszug: „Nach der Vereinigung rieben sich alle die Augen. Weniger wegen der unmittelbaren Veränderungen in Deutschland, sondern weil plötzlich ein ganz anderes Bezugssystem entstanden war. […] Nun – wo es zu einem globalen Triumph der kapitalistischen Produktion und Verwertung gekommen ist und keine lokale Arbeiterklasse mehr irgendwelche Druckmittel gegen…

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