Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst · von Isa Bickmann · S. 116
Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst , 2015

Suse Weber

Von Isa Bickmann

In ihren aufwändigen skulpturalen Zeichensystemen macht die 1970 in Leipzig geborene Künstlerin Suse Weber politische Kontexte und gesellschaftliche Brüche im Deutschland nach 1989 sichtbar. Dabei hat sie ihren Kanon kontinuierlich hin zu einem immer komplexeren – und nicht nur allein auf nationale Themen beschränkten – Vokabular erweitert.

Aus Schaukelhaken und Bändern schuf Weber im Jahr 1999 ein Wandobjekt, das die Konturen eines Adlers abbildet. Das bundesdeutsche Wappentier ist unschwer zu erkennen, mit dem Unterschied1, dass Webers Adler seinen Kopf nach links, in Richtung Osten, wendet. Die Installation ist gekennzeichnet von einer grob gesetzten, improvisiert wirkenden Umrisslinie. Die Fußketten und die am Adlerkopf und den Flügeln befestigten Medaillen aus den Zeiten der Sportveranstaltungen der DDR-Jugend haben kaum einen materiellen oder ideellen Wert. Der Adler als eines der ältesten Staatssymbole der Welt erscheint in despektierlicher Weise mit „Tinnef“ behängt. Ernüchterung folgt auf die Erkenntnis des schönen Scheins. Der ersehnte westdeutsche Kapitalismus schmückt sich mit leeren Versprechungen.

Suse Webers Œuvre bewegt sich zwischen Objektkunst, Installation und Performance. Symmetrie und Ornament sind dabei „webersche Handschrift“.2 Mit den Farben Schwarz, Rot und Gelb hat sie in den 2000er Jahren besonders auf Deutschland bezogene Themenkreise besetzt. Eine bekannte Arbeit ist die Dönerpuppe von 2004, in der sie das Zeichen des türkischen Halbmondes integriert und mittels Spiegelfolie und Euro-Paletten eine Art „Muckibude“ aus Sportgeräten inszeniert hat. Sie gibt damit populären Kulturphänomenen und der Vereinnahmung der türkischen Kultur durch Westdeutschland, die sie in ähnlicher Position sieht wie die ostdeutsche, eine Bühne. Wer im Wettkampf in dieser Arena…

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