Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst · von Maria Anna Tappeiner · S. 90
Titel: Wendezeiten – Deutschland in der Kunst , 2015

Jörg Herold

Wir waren einfach übrig geblieben

von Maria Anna Tappeiner

Der 1965 in Leipzig geborene Künstler Jörg Herold studierte gerade an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, als die Mauer fiel. Den überraschenden Systemwechsel verarbeitete er wenig später in dem Werk Ich Jörg Herold bin Zeitzeuge (1992). Damit war der künstlerische Weg vorgezeichnet. In seiner Funktion als „Dokumentararchäologe“, wie er sich selbst nennt, verfolgt der Künstler Mechanismen des Gedenkens, Sicherns und Recherchierens. Oft reist Herold zu realen, aber auch imaginären Orten der Erinnerung, die meist mit deutscher Politik und Geschichte zusammenhängen; Beispiele sind das Projekt zum Kreuzfahrtschiff der Nationalsozialisten „Wilhelm Gustloff“, seine Reise auf die Krim, um Joseph Beuys’ Flugzeugabsturz nachzuspüren, oder auch aktuell die Auseinandersetzung mit Schlesien, wo Herold familiäre Wurzeln hat. Die Themen und Untersuchungsgegenstände werden künstlerisch erforscht und hinterfragt. Auf diese Weise entstehen Fotos, Filme, Aktionen und Zeichnungen, die den Fokus einerseits auf das kulturelle Gedächtnis und das Erstellen historischer Bezüge legen, andererseits immer auch persönlich und von der Gegenwart des Künstlers geprägt sind.

Maria Anna Tappeiner: Noch bevor du 1987 mit dem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an der HGB in Leipzig begonnen hast, warst du im Umfeld der Galerie EIGEN + ART in Leipzig unterwegs, die Judy Lybke Anfang der 1980er Jahre gegründet hatte. Wie hast du die Zeit vor der Wende in der DDR künstlerisch erlebt?

JÖRG HEROLD: Anfang der 1980er Jahre entstand in Leipzig ein loser Kreis von Künstlern um Judy Lybke. Ich glaube, so richtig wusste Judy damals noch nicht, ob er Schauspieler werden oder bildende Künstler fördern…

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