Ausstellungen: Kassel · von Dirk Schwarze · S. 253
Ausstellungen: Kassel , 2004

DIRK SCHWARZE

Eine Momentaufnahme der Szene

„solo mortale“

Kasseler Kunstverein, 13.12.2003 – 15.2.2004

Was folgt dem innehaltenden Schweigen? Ein lärmender Reigen. Mit seinem Projekt korrespondenz@maria-eichhorn.de hatte der Kasseler Kunstverein sich selbst Askese für die Augen verordnet. Die Räume waren zwar durch die Werke der Balkan-Ausstellung der Kunsthalle Fridericianum belegt, aber der Kunstverein selbst zeigte nichts – außer der Einladung zu einer E-Mail-Korrespondenz mit Maria Eichhorn, die das Unterlaufen der Ausstellungsmechanismen zum Prinzip erhoben hat. Das Projekt war zwar nicht publikumswirksam, aber auf sympathische Weise stringent. Wer sich auf die Korrespondenz einließ, dachte zwangsläufig über den Kunstbetrieb nach.

Die Ausstellung, die dem Enthaltsamkeitsstück folgte, präsentierte das Gegenteil. Sie zwingt aber ebenso zum Nachdenken über den Zustand des Marktes: Bilder- und Werkfülle auf engstem Raum. Alles das, was der Kunstmarkt an Haltungen und Äußerungen zu bieten hat, ist vereinigt. Jeder Besucher kann in die Vielfalt eintauchen und sich das heraussuchen, was er mag: Eine Momentaufnahme der Szene, in der auch sichtbar wird, wie Haltungen und Stile übernommen werden. Nicht alles ist so originell, wie es sich gibt.

„solo mortale“ heißt der Ausstellungstitel, und der sitzt jedenfalls. Denn hier spielt jeder für sich, und mancher ist vom Absturz bedroht. Der gemeinsame Ansatz der beteiligten Künstler ist, den Begleittexten zu Folge, der Mensch – wie er sich darstellt und sich verkauft, wie er Opfer wird und Täter bleibt oder wie er einfach nur Spuren hinterlässt. Elke Krystufek begnügt sich damit, T-Shirts und andere Kleidungsstücke, die sie mit Botschaften versehen und die sie getragen hat, an einer Wäscheleine aufzuhängen. Es sind…

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