Ausstellungen: Wien , 2007

Kathrin Luz

Exil des Imaginären.

Politik – Ästhetik – Liebe.

Generali Foundation, Wien, 18.1. – 29.4.2007

Der rosarot verklärte Blick der Liebe, die herzchenumrankte, weltfremde Sprache des großen Gefühls – das sind überkommene Klischees. Dagegen steht die kühne These: Liebe kann als kritisches Korrektiv in politisch turbulenten Zeiten wirken. Das jedenfalls ist die Behauptung der amerikanischen Kunsthistorikerin, Kritikerin und Kuratorin Juli Carson, die sie in ihrer Ausstellung „Exil des Imaginären. Politik – Ästhetik – Liebe“ in der Wiener Generali Foundation formuliert. Die Direktorin des Hauses, Sabine Breitwieser, hat ihr nicht zum ersten Mal das „Kuratel“ überlassen. Und auch mit diesem zweiten gemeinsamen Projekt zeigt sich einmal mehr der einzigartige Wert des „Geschenkes“, das diese privatwirtschaftlich getragene Kunstinstitution der Stadt Wien macht, in dem sie das Privileg einer diskurs-orientierten Hinterfragung virulenter theoretischer Fragestellungen zulässt.

Die theoretische Basis, die dabei verhandelt wird, bildet Roland Barthes berühmtes Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ von 1977, dem auch der Titel der Ausstellung entlehnt ist. In diesem, seinem wohl bekanntesten Werk untersucht Barthes in einer Art Montage aus eigenen und Texten anderer den „Diskurs der Liebe“. Subjektives und wissenschaftlich-objektives Prinzip geraten dabei unmittelbar „aneinander“: So folgen die Fragmente beispielsweise dem Gesetz des Alphabets, ansonsten ist die Auswahl betont subjektiv. Das Ich des imaginierten Liebenden, der im Zentrum aller bruchstückhaften Texte steht, ist nicht psychologisch, sondern strukturalistisch konstruiert. Es ist genau diese Kongruenz der Rollen von Analytiker und Objekt der Analyse, die – so Carson – diesen Text so fruchtbar macht für den Vergleich mit aktuellen künstlerischen Praktiken.

Denn Carsons Anliegen…

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