Magazin: Symposien & Kongresse · von Ingo Arend · S. 464
Magazin: Symposien & Kongresse , 2000

INGO AREND

Flamme empor

Zum Feuer-Kongress in der Bonner Bundeskunsthalle

Im Umgang mit dem Feuer zeigt sich die Anonymisierung der Elementarerfahrung in der technisch-industriellen Zivilisation.

„Da liess der Herr Schwefel und Feuer regnen von dem Herrn vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha und kehrte die Städte um und die ganze Gegend und alle Einwohner, und was auf dem Lande gewachsen war.“ An die Katastrophe von Sodom und Gomorrha, wie sie im Buch Mose geschildert wird, hatte der Münchner Architekturprofessor Franz Xaver Baier gewiss nicht gedacht, als er Ende Oktober 2000 auf einem „Feuer“-Kongress der Bundeskunsthalle die Frage „Ist es nicht Zeit, wieder alle Elemente zu spüren?“ in den Raum stellte. In dem biblischen Sündenpfuhl wären die Menschen vermutlich froh gewesen, wenn sie ein paar Feuerlöscher gehabt hätten. Eines jener roten Instrumente, die heute an jeder Ecke stehen, um das Element in Schach zu halten, von dem der griechische Philosoph Heraklit noch gesagt hatte: „Das Feuer ist eigentlich alles“. Der alles verzehrende Weltenbrand, die Strafe und das Gericht Gottes scheint zwar in den Waldbränden und Vulkanausbrüchen, die nach den politischen Nachrichten folgen, weiterhin auf das Sodom und Gomorrha namens Erde herabzuregnen. Doch im Umgang mit dem Feuer zeigt sich die Anonymisierung der Elementarerfahrung in der technisch-industriellen Zivilisation. Gemessen daran, dass Charles Darwin das Feuer noch für die größte Entdeckung, „die jemals von Menschen mit Ausnahme der Sprache gemacht wurde“, hielt, das „älter als der Anbruch der Geschichte“ ist, ist im Lebensalltag unserer allernächsten technischen Zivilisation nämlich erstaunlich wenig zu sehen. Heute scheint man das…

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