Magazin , 2000

GegenSpieler

Andy Warhol – Joseph Beuys

Die neue Reihe im Fischer Taschenbuchverlag versucht Zeitgeschichte auf frische Art und aus ungewohnter Perspektive zu erzählen: und zwar aus dem Blickwinkel zweier „Gegenspieler“. Diese mitunter absichtlich verkürzende Sichtweise auf komplexe historische oder kulturelle Zusammenhänge birgt Chancen wie Risiken. Mancher Aspekt lässt sich durch diese Form der Dramatisierung tatsächlich prononcierter herausarbeiten. Andererseits kann das Prinzip der Polarisierung zu einer Schematisierung führen, die der historischen Realität nicht entspricht. Nachdem bereits Martin Luther King und Malcolm X, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, die Stones und die Beatles in den publizistischen Ring gestiegen sind, steht nun der erste kunsthistorische „Kampf“ an: Andy Warhol vs. Joseph Beuys.

Die beiden Autoren, Paolo Bianchi und Christoph Doswald, tun gut dran, diesem „Rumble“ bereits in ihrem Vorwort die Speerspitze zu nehmen: „Die beiden Symbolfiguren können nicht für den vieldiskutierten Kulturkonflikt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, zwischen der Alten und der Neuen Welt instrumentalisiert werden.“ Beuys und Warhol sind sich tatsächlich erst sehr spät, 1979 in Düsseldorf, zum ersten Mal begegnet. Bei diesem und wenigen weiteren persönlichen Treffen (aus stets öffentlichen Anlässen) ist eine höfliche gegenseitige Zurkenntnisnahme zu attestieren, nicht mehr. Warhols in der Folge entstandene Porträtserie von Beuys darf als Anerkennung seines Ikonen-Status für die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts gewertet werden. (Für sich selbst hat Warhol das in vergleichbarer Weise erledigt.) Eine persönliche Zuneigung ist daraus schwerlich abzuleiten, eine Form von Rivalität schon gar nicht. Beide Künstler waren zu sehr Profi und Selbstdarsteller, als dass da viel Zeit für private Diskurse gewesen…

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von Alexander Braun

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