Ausstellungen: Düsseldorf · von Heinz-Norbert Jocks · S. 340
Ausstellungen: Düsseldorf , 2007

Heinz-Norbert Jocks

Gregor Schneider

»Die Weiße Folter«

K21, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf:, 18.3. – 15.7.2007

Gregor Schneider geht es keineswegs um Entfernung von der Realität, sondern um eine möglichst dichte Annährung, die so etwas wie reale Wirklichkeitsgefühle auf dem repräsentativen Feld des skulptural Ästhetischen provoziert. Es kommt ihm nicht auf das so intellektuelle wie posthume Nachvollziehen an, sondern primär auf das unmittelbare Erleben der Wirkung von Räumen auf den einzelnen Menschen. Um das zu erreichen, wird der in der Kunst so zugesicherte Abstand zwischen Zuschauer, Objekt und Darbietung für die Dauer der Konfrontation momenthaft, wenn nicht überwunden, so doch verkleinert. Ähnlich wie bei der Vorstellung eines Horrorfilms, in der das Kinopublikum zwar weiß, dass es unbeschadet und mit heiler Haut den angsteinflößenden Verwirrungen, denen er sich willentlich ausliefert, letztlich entrinnt, so begibt sich der Ausstellungsbesucher bei Gregor Schneider wissentlich ins Unheimliche einer verborgenen Welt. An deren Ende wartet auf den Begeher der Installation der Ausgang, der ihn aufatmen, nach Luft schnappen lässt. Ja, die Befreiung aus einem durchlebten Zustand, der keinen ästhetischen Genuss versprach. Auf diese zeitweilig in Vergessenheit geratene Sicherheit kann man sich gleichwohl verlassen. Die Rückkehr ins Freie ist vorprogrammiert, und die zwischen Ein- und Ausgang vergehenden Minuten, in denen mehr oder weniger um Orientierung gerungen wird, stellen eine von der Geschwindigkeit des Einzelnen abhängige Übergangs-, eben keine Endzeit dar. Das Spiel mit Angst und Unbehagen findet im Schutzraum der Kunst, also unter Ausschluss realer Gefährdung statt.

Seit seinem triumphalen, von Udo Kittelmann veranlassten Auftritt auf der Biennale in Venedig vor sechs…

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