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Ausstellungen: Bregenz · von Johannes Meinhardt · S. 379 - 380
Ausstellungen: Bregenz , 2001

JOHANNES MEINHARDT

Hiroshi Sugimoto:
The Architecture of Time

Kunsthaus Bregenz, 27.9. – 2.12.2001
Kunsthalle Bielefeld, 17.2. – 21.4.2002

Obwohl Hiroshi Sugimoto (geboren 1948 in Tokyo) seit 1970 in den USA lebt und dort auch (in Los Angeles) Photographie studiert hat, bedient er sich ganz selbstverständlich vieler Denkweisen und Wahrnehmungsmuster der klassischen japanischen Ästhetik. Er bedient sich ihrer so direkt und ungebrochen, dass die Frage, wie er diese Referenz begründet, zu den interessantesten Fragen an sein Werk und in seinem Werk gehört. In der Ausstellung im Kunsthaus Bregenz hat Sugimoto eine solche Fülle von Verweisen und direkten Anknüpfungen an klassische japanische Kunstwerke und Kunstgattungen gegeben, dass diese Frage sich unvermeidbarerweise aufdrängt.

Das gilt besonders für die neueste Gruppe von Arbeiten, die Pine Trees von 2001: zwei große, sechsteilige Bildtafeln, die das Format bemalter japanischer Schiebetüren oder Stellschirme aufgreifen (in diesem Fall 182 x 750 cm) und die sich direkt auf das berühmte Tuschgemälde Kiefernwald (aus zwei sechsteiligen Faltschirmen bestehend) beziehen, das Hasegawa Tôhaku kurz vor 1600 gemalt hatte und das als Höhepunkt der Malerei in Japan überhaupt und besonders der Zenmalerei der Momoyama-Epoche (1568-1615) gilt (Tôhakus Kiefernwald ist in Japan zum Nationalschatz erklärt worden). Wenn Sugimoto erklärt, er wolle eine Photographie in der Produktions- und Erscheinungsweise eines Tuschgemäldes der Momoyama-Epoche herstellen (“I want to do a Momoyama ink painting with photography”), dann ist ein solcher Satz weder naiv noch ironisch, sondern er formuliert eine ästhetische Intention, die nur zu leicht, westlichen Kategorien folgend, missverstanden werden kann.

Noch störender (oder besser: verstörender) wirkt es, wenn Sugimoto…

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von Johannes Meinhardt

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