Biennalen: Havanna · von Paolo Bianchi · S. 418
Biennalen: Havanna , 1997

Paolo Bianchi

Homo Faber in Havana

Bericht über die 6. Biennale von Havanna

Kuba, 29.4. – 10.5.1997

Immer wieder Havanna. Mitte der achtziger Jahre, von den USA über Mexiko herkommend, als kleines aradies entdeckt. Seit Fidel Castros Revolution genießt insbesondere die kubanische Kultur eine Art Mehrwert. Bücher, Platten, Posters und Kunst – alles ganz gut und erst noch günstig. Mit dem Kauf eines Plakats von Che Guevara, mit Bart, Mütze und Stern, blühte die Sehnsucht nach Utopie und Rebellion auf. Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre schreibt in Erinnerung an eine Begegnung mit Che: „Ich halte dafür, daß dieser Mann nicht nur ein Intellektueller, sondern der vollkommenste Mensch unserer Zeit war.“

Der Glaube an das kubanische Vorbild im Kampf der Dritten Welt gegen den Imperialismus war in den Achtzigern spürbar präsent. Damals ging es um „die Entwicklung vom kulturellen Überleben zur kulturellen Deskolonisation und Integration unserer spirituellen Werte und Interessen ins Räderwerk der Welt“, so Kulturminister Armando Hart im Katalog der 2. Biennale von 1986. Gleichzeitig flanierten am Pool des Hotel Capri Buben: „How do you like Habana?“ Ihre Hüften steckten in engen Shorts. „Lauter schöne Mädchen, auch die Männer sehr schön, lauter wunderbare Menschen, die Mischung von Neger und Spanier, ich komme nicht aus dem Gaffen heraus“, heißt es im Buch „Homo faber“ von Max Frisch – Cuba im Juli 1956.1

Dem Kubareisenden kann ein Bedürfnis nach Freiheit und Abweichung attestiert werden, nach Grenzüberschreitung, Abschütteln von Konventionen, gesellschaftlicher Enge und alltäglicher Routine. Seine Suche nach neuen Reizen steht für Unruhe, für den Aufbruch zu immer wieder…

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