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Gespräche mit Kunstvermittlern · von Marius Babias · S. 424 - 428
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1997

»Im Herzen ist man Sozialist, aber in der Praxis läuft es anders«

»Deutschlandbilder – Kunst aus einem Geteilten Land«:
Marius Babias sprach mit dem Ausstellungsmacher Eckhart Gillen

Deutschlandbilder“, die Hauptausstellung der 47. Berliner Festwochen, thematisiert ein brisantes Thema deutsch-deutscher Politik: die Nation. Schluß mit der „kollektiven Lebenslüge“ und der „kollektiven Amnesie“ der Deutschen, fordert Ausstellungsmacher Gillen. Den Vorwurf, im Fahrwasser der Neuen Rechten zu schwimmen, will er nicht gelten lassen: „Für Leute, die wieder die Nation pflegen wollen, ist diese Ausstellung eine Faust aufs Auge.“

*

M.B.: Herr Gillen, sind Sie links?

E.G.: Ich würde sagen, sozial und liberal im linken Spektrum, aber nicht dogmatisch oder parteigebunden. Ich komme aus Karlsruhe, aus einer katholischen Familie. Mein Vater war Lyriker, Theater- und Kunstkritiker. Er sagte immer: Im Herzen ist man Sozialist, aber in der Praxis läuft es anders.

Machen Sie eine derart thematisch vorbelastete Ausstellung eigentlich freiwillig?

Ja, wobei ich das „Deutschland“-Thema immer gemieden habe. Als ich Ende ’66 in Heidelberg zu studieren anfing, bin ich schnell in die Studentenbewegung reingerutscht. Bei uns im kunstgeschichtlichen Institut waren die geschichtsphilosophischen Thesen von Benjamin sehr wichtig. Die Universität wurde geschlossen, und wir haben jeden Tag demonstriert. Die ersten Fraktionen entstanden: Kritische Theorie, Frankfurter Schule und die dogmatische Ausrichtung. Überlegungen tauchten dann auf, was man eigentlich mit der Kunstgeschichte machen soll. Ich studierte noch Soziologie am besetzten „Rosa Luxemburg“-Institut. Nachts hörte man den Polizeifunk ab. Man hat Texte gelesen. Benjamin war für mich wichtiger als Marx, in dessen „Kapital“ ich recht bald steckengeblieben bin. Viele Monate lang haben wir Studenten Seminare…


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