Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Stadtgebiet · von Susanne Boecker · S. 529
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Stadtgebiet , 2015
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Stadtgebiet

Hongkong

Tsang Kin-Wah

The Infinite Nothing

Organisation: M+, West Kowloon Cultural District; Hong Kong Arts Development Council

Ort: Arsenale, Castello, 2126 (Campo della Tana)

Tsang Kin-Wah (geb. 1976) hat den Pavillon Hong Kongs in einen Erkenntnisparcours verwandelt. In seiner vierteiligen Video-Installation schickt er den Besucher auf die Suche nach religiösen Werten und dem Sinn und Zweck des Lebens. Die Lektüre der Schriften Friedrich Nietzsches hatte den einstmals gläubigen Christen vor einiger Zeit in eine religiöse Sinnkrise gestürzt. Jetzt fragt er wie der deutsche Philosoph: „Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts?“

Der Besucher des aufwändig umgestalteten Pavillons muss zunächst einen rauschenden Fluss durchwaten (keine Sorge, es ist nur eine Projektion, die Füße bleiben trocken), bevor er einen Raum betritt, an dessen Stirnwand sich eine halbrundförmig abgeschlossene Nische befindet. In einem religiösen Kontext wäre dort eine Heiligenfigur, ein Altar oder Ähnliches untergebracht – aber diese Nische ist leer und dient als Projektionsfläche für Tsang Kin-Wah’s Video „The Infinite Nothing I“. Ausgehend von Béla Tarrs philosophischem Filmdrama „Das Turiner Pferd“ (2011) hat der Künstler eine Video-Projektion entwickelt. Worte erscheinen auf, rücken von rechts und links ins Zentrum und verschwinden wieder. Zusammen bilden sie ein Poem über Widersprüche, Grenzen, Schwäche und Macht.

Im anschließenden Raum blicken wir auf zwei geschlossene Fenster, an die von draußen heftiger Regen prasselt. Sie sollen einen Zustand von Invasion und bevorstehender Veränderung versinnbildlichen: Neue Ideen dringen von außen ein und zerbrechen vorhandene Ideale. Im letzten Raum konfrontiert Tsang Kin-Wah den Besucher mit einem verbalen Gedankenfeuerwerk. Auch hier arbeitet er wieder mit Textprojektionen. Diese dokumentieren…

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