Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Slowakische / Tschechische Republik

Ilona Németh, Jirí Suruvka

Kommissar: Katarina Rusnáková

Sie sind wieder vereint. Jedenfalls in den Giardini. Hatte man vor zwei Jahren den 1926 für die junge tschechoslowakische Republik errichteten Pavillon mühsam dem neuen geopolitischen Proporz angepasst, so dass sich die beiden frisch geschiedenen Staaten wie in einer schlechten Wohngemeinschaft fein säuberlich voneinander getrennt, aber doch unter einem gemeinsamen Dach wiederfanden, so treten jetzt Ilona Németh (Slowakei) und Jirí Suruvka (Tschechien) mit einem Projekt auf, das offenkundig als alltagskonformes und zugleich grenzüberschreitendes Gesamtkunstwerk angelegt ist. Im schlicht geometrischen Kiefernholzdesign großer Möbeldiscounter wie Ikea haben Németh und Suruvka ein 1,35 Meter hohes Objekt gebaut, das die Wohnung von Ilona Németh nachempfindet. Man trifft dort auf alles, was heute Standard ist: In der Garderobe hängen gebrauchte Kleider, stehen Schuhe fein säuberlich auf zwei Regalbretter verteilt, als habe die Familie gerade ihren Samstagsputz hinter sich gebracht. Es gibt eine Küche, Wohnzimmer, selbst ein Kinderzimmer mit PC und Spielteppich, Parkhaus, mit Tischtennisschlägern, drei Kakteen in blassen Keramikschalen und mit Büchern, an deren Rücken sich die gemischte sprachliche Identität der Slowakischen Republik ablesen lässt: „Kisgyermekek nagy mesekönyve“, „Pingu der Lausbub“, „atlas sveta“.

Die Einrichtungsgegenstände atmen Authentizität; bis hin zur Papiertaschentüchermarke ist hier alles wie daheim bei Ilona Németh. Insofern entspricht die Arbeit von ihrem Ansatz her dem Environment von Gregor Schneider, der im deutschen Pavillon ebenfalls Ausschnitte aus seinem Privatleben vor Augen stellt. Aber während Schneider einen äußerst labilen Zustand herstellt, bei dem ungewiss bleibt, wo die naturalistische Wiedergabe der eigenen Lebensverhältnisse beginnt und wo das raffinierte…

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von Michael Hübl

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