Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini · von Susanne Boecker · S. 364
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini , 2015
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini

Israel

Tsibi Geva

Archeology of the Present

Kommissare: Arad Turgem, Michael Gov. Kurator: Hadas Maor.

Ort: Pavilion in den Giardini

Betrachtet man den israelischen Pavillon aus einiger Entfernung, könnte man meinen, es handele sich um eine monumentale Skulptur: ein langgestreckter, rechteckiger Block, dessen Oberfläche mit kleinen, aneinanderstoßenden Kreisen bedeckt ist. Der Kontrast von eckiger und runder Form ist zugleich ein Kontrast von hart und weich, nämlich der von Beton und Gummi. Tsibi Geva (geb. 1951) hat dem Pavillon teilweise zumauern lassen und mit einem Netz aus gebrauchten Autoreifen umspannt. So streng formal die Installation aus der Ferne erscheinen mag – so beunruhigend wirkt sie in der Nähe. Die Autoreifen umhüllen die Architektur wie ein Schutzmantel, an dem mögliche gefährdende Gegenstände abprallen können. Die extra geschlossene Mauer an der Eingangsfront verstärkt diesen Eindruck.

Im Inneren des Pavillons führt der Künstler das Spiel mit den Gegensätzen fort. Durch die rückseitige Glaswand blickt man auf die Autoreifen. Diese Auflockerung der düsteren Szenerie wird von einer hohen Wand aus geschlossenen Jalousien konterkariert. Die Collage aus Fundstücken signalisiert unmissverständlich Abschottung, Verschlossenheit und Ausschluss, und ist zugleich doch von einer subversiven formalen Ästhetik.

Im Obergeschoss hat Geva aus geschmiedeten Balkongittern geformte „Vitrinen“ angebracht, in denen Sperrmüll zur Schau gestellt wird: Kaputte Fernseher, Blumentöpfe, Bettgestelle, Fahrradrahmen … Außerdem präsentiert er großformatige Gemälde. Einige sind figurativ, andere abstrakt. Das alles ist widersprüchlich und verwirrend. Und soll es auch sein. „Archeology of the Present“ nennt Geva seine Biennale-Installation und verweist damit auf die bewusst inszenierten Brüche und Kontraste, auf die Spannung zwischen Innen und Außen, Figuration…

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