Ausstellungen: München , 1990

Justin Hoffmann

Jardins de Bagatelle

Galerie Tanit, München, 15.9. – 28.10.1990

Das Naturschöne versus das Kunstschöne, die Auseinandersetzung um deren Verhältnis zueinander bestimmte maßgeblich den ästhetischen Diskurs des 19. Jahrhunderts. Während Kant die Vorzüge der Naturschönheit vor der Kunstschönheit beschrieb, kehrte Schelling diese Hierarchie um, denn das Kunstschöne schöpft aus der Quelle des Geistes, gibt uns gleichsam die Idee in höherer Potenz als der, in der die realen Produkte der Natur sich uns präsentieren. Das Stilleben, das Nature Morte, ist eine künstlich zusammengestellte, inszenierte Natur. Auch bei der naturalistischen Darstellung des Stillebens wird das Werk nach künstlerischen Prinzipien geschaffen.

Aktuelle Exponate, welche die Relation von Natur und Kunst erneut hinterfragen, zeigt die Ausstellung „Jardins de Bagatelle“.

Das einzige „konventionelle“ Stilleben, das aber gleichzeitig den Schlüssel zum Verständnis der Ausstellung bildet, stammt von Giorgio Morandi und trägt den Titel „Natura morta“. Bei den Arbeiten der anderen Künstler handelt es sich meist um fotografierte „Stilleben“ oder Anordnungen von Objekten und skulpturalen Gebilden, die es im Zeitalter des Ready-mades nicht mehr nötig haben, abgebildet zu werden. Zwei Fotoarbeiten von besonderer Schönheit stammen von dem Kanadier Ian Wallace. Beide zeigen Aufnahmen eines Hotelzimmers flankiert von zwei monochrom gemalten Streifen. Der Blick aus dem Pariser Hotelzimmer fällt über einen Arbeitstisch hinweg ins Freie, auf eine Straße mit parkenden und fahrenden Autos. Auf dem Tisch liegen die verschiedenen „Arbeitsutensilien“ des Künstlers; neben Büchern von Baudelaire und Duve, Schreibzeug und einer Brille erkennt man verschiedene kleine Fotografien, u. a. die Aufnahme einer anderen Hotelunterkunft, die das zentrale Motiv von Wallace‘ zweiter Arbeit…

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