Ausstellungen: Schwaz · von Michael Hauffen · S. 397
Ausstellungen: Schwaz , 1999

Michael Hauffen

John Bock

Galerie der Stadt Schwaz (Tirol), 21.11.1998 – 30.1.1999

Bei vielen Beobachtern hinterließ die Berlin-Biennale den Eindruck einer in sich konturlosen Menge junger und vitaler KünstlerInnen, die es sich in einem neuen Berliner Milieu von Clubkultur und heimeliger Sorge um eine unbelastete Identität bequem zu machen versucht und dabei die Auseinandersetzung mit allem anderen auf das Streben nach dem großen Erfolg beschränkt. Die Installation von John Bock fiel in diesem Kontext deshalb auf, weil sie das Verhältnis dieser neuen Boheme zum per Promotion-Kampagne ausgelösten Publikumsansturm zumindest zu reflektieren schien. Um es kurz zu rekapitulieren: in der dortigen Installation war der Ausstellungsraum des Künstlers horizontal zweigeteilt, so daß für die Besucher in der oberen Hälfte nur mehr eine Art Dienstbotenmansarde blieb, in dem sie in gebückter Haltung übereinander stolpern konnten. Unter ihren Füßen verborgen befand sich das unterschlupfartige „Künstlermilieu“, für dessen Existenz und Bewohntheit nur einige irritierende Requisiten und kleine Löcher im Boden als Indizien fungierten, aus denen manchmal, so wollten es zumindest manche gesehen haben, plötzlich eine Hand, oder irgendwelche Reflexe und Geräusche nach oben dringen konnten.

Es trafen hier also zwei Welten aufeinander, ja sie scheinen voneinander angezogen zu werden, ohne daß man genau gewußt hätte, was sie eigentlich verbinden soll. Auf der Ebene des Publikums findet sich an Stelle der versprochenen Verführung durch kreative Leistungen eher eine Abwehrreaktion, und auf der Künstlerebene verkehrt sich der Traum vom strahlenden Erfolg in den Wunsch nach Rückzug ins Dunkel einer abgeschlossenen Sphäre sowie einer negativen Stigmatisierung seiner sozialen Existenz.

Wie schon betont wurde,…

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