Ausstellungen: Aachen · von Alice Koegel · S. 369
Ausstellungen: Aachen , 1999

Alice Koegel

Jonathan Meese

»Mr. Deltoid’s a.k.a. Urleandrusus‘ – Sonnenallee – AHOI DE ANGST – FAIR WELL Good Bye«

Neuer Aachener Kunstverein, 24.1. – 7.3.1999

Kunsthalle St. Gallen, ab 26.3.1999

Mit seinen Installationen und Performances gibt Jonathan Meese ein Tempo vor, das sich selbst zu überholen scheint. Was für den Neuen Aachener Kunstverein als Inszenierung rund um Meeses Kulissen und Bühnenbilder für den Film „Sonnenallee“ von Claus Boje, Leander Haußmann und Detlev Buck geplant war, verselbständigt sich zur neuen monumentalen Trashtat des Künstlers, Autors und neuerdings auch Schauspielers: „Mr. Deltoid’s a.k.a. Urleandrusus‘ – Sonnenallee – AHOI DE ANGST – FAIR WELL Good Bye“. Hier stolpert, wer nicht nur die Rezeptions-Fallgrube „spätpubertäre Jugendzimmer-Ästhetik“ nicht erkennt, sondern auch, wer hinter dem Soloprojekt die thematisch-spezifische Konzentration erwartet, die es versprach. Nicht „Sonnenallee“ ist das Thema – gedreht nach Thomas Brussigs Roman „Helden wie wir“ über die Jugendzeit in der DDR der Siebziger. Es geht nicht um jene 60 Meter Ostberlin kurz vor der Mauer, die in Babelsberger Pappe und Meeses Fassadenbildern wiederauferstanden. Was der Film funktionalisiert hat, hängt nun zerschnippelt an der Kunstvereinsdecke, ist recycelt und eindekoriert in das ausgeklügelte meesische System. So, meint der selbsterklärte „Dekorateur“ Meese, wird’s heimischer für die „Burschen“: Nero, Caligula, Zardoz und Co.

In Meeses Heldenkosmos und aufgetürmten Bildwelten ist alles relational und rhizomatisch: die Idole, Kultfiguren und Kunstprodukte. Vorausgesetzt, sie sind trash-symbolisch genug, lassen sich durchquirlen in der meesischen „Ur-Suppe“ und strategisch neu mixen. „Man muß alles bringen“. Meeses Wahlspruch klingt nach nicht-diskriminierendem, anarchischem, aber auch beliebigem, kritik- und wahllosem Rundumschlag. Vor allem…

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