Ausstellungen: Lübeck , 2002

JENS RÖNNAU

Jörg Herold – „Heldenfriedhof“

Overbeck-Gesellschaft Lübeck, 28.10. – 2.12.2001

Joseph Beuys ist tot – es lebe sein Mythos, das erfreut sowohl die Verehrer des Meisters wie auch jene, die aus seinen Werken und Ideen Kapital zu schlagen wissen. Doch die Legende bröckelt, zumindest was einige der Ursprungsfundamente Beuys’scher Werke und Philosophie betrifft: Fett und Filz. Der Berliner Künstler Jörg Herold, 1965 in Leipzig geboren, hat sich im Rahmen seines Projektes zu Denkmalen und Heldenmythen auch auf die Spuren von Beuys begeben: auf die russische Krim, wo jener im 2. Weltkrieg mit seinem Bombenflugzeug abstürzte und knapp überlebte. Das Recherche- und Dokumentationsprojekt nennt Herold „Heldenfriedhof“. Es war zuvor bereits bei der Berliner Galerie EIGEN + ART zu sehen und wird vom 16. März ! bis 16. April 2002 im Historischen Museum Simferopol auf der Krim zu sehen sein.

Die tiefe persönliche Bedeutung von Fett und Filz hatte Beuys immer mit den Folgen seines Flugzeugabsturzes begründet. Am 16. März 1944 sei seine STUKA, eine JU-87, nach einem feindlichen Treffer auf russischem Gelände abgestürzt. Überlebt hätte er nur, weil er 12 Tage lang von einheimischen Tartaren mit Fett und Filz gewärmt worden sei. Kunsthistoriker hatten an den Beuys’schen Angaben schon länger Widersprüche entdeckt, denn der Absturz auf der Krim, wobei der Pilot Hans Laurinck starb, ereignete sich zwar an jenem 16. März, doch bereits einen Tag später soll Beuys in einem deutschen Lazarett versorgt worden sein. Eine bewusst erfundene Heldenlegende in Sachen Kunst also?

Im Frühjahr 2000 zog „Heldenforscher“ Jörg Herold mit dem Modell einer JU-87…

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