Ausstellungen: Los Angeles · von Frank-Alexander Hettig · S. 408
Ausstellungen: Los Angeles , 1999

Frank-Alexander Hettig

Kay Rosen: »lifeli[k]e«

Museum of Contemporary Art, Los Angeles, 15.10.1998 – 14.2.1999

Otis Gallery, Otis College of Art and Design, 5.12.1998 – 14.2.1999

Lebens‘, ‚Lebenslüge‘ oder ‚Lebenslage‘: je nachdem wie man den Titel der Übersichtsausstellung von Kay Rosen liest, sieht oder ausspricht, könnte man ihn mit diesen drei Wörtern übersetzen. Und genau diesen Dualismus und die unterschiedliche, subjektive Interpretationsmöglichkeit zeigt sie in ihren gemalten Wort- und Spracharbeiten. Einige ihrer Wortspiele sind einfach zu entschlüsseln, bei anderen muß man den Titel der jeweiligen Arbeit als einen Hinweis, als einen Startpunkt verwenden, um ihre farbenfrohen Kryptogramme und Puzzlespiele zu dekodieren und enträtseln zu können. Auf einer großen schwarzen Wand sind nur die Buchstaben ‚p‘ und ‚b‘ gemalt. Die weißen Buchstaben sind so angebracht, daß man den Buchstaben ‚p‘ als den Anfangsbuchstaben und das ‚b‘ rechts unten auf der Wand als das Ende erkennen kann. Dazwischen ist nur die leere schwarze Wand, die die Abwesenheit eines Wortes, Satzes oder einer Geschichte andeutet. Die weggelassenen oder übermalten Buchstaben sollen, wie der Titel dieser Wandarbeit verdeutlicht, das Wort „phantom limb“ darstellen. Ein Körperglied, das noch ein Gefühl suggeriert, obwohl es schon amputiert wurde. Nur durch die Anwesenheit dieser zwei Buchstaben und dem Titel wird das Wort angedeutet, das Rosen in Gedanken hatte. Wie bei einer neurologischen Sensation besteht jedoch kein deutlicher Verbindungsfaktor zwischen tatsächlicher Anwesenheit und psychologischer Folge: eine mögliche Illusion. Außerdem haben die beiden Buchstaben im Grunde die gleiche Form, nur spiegelverkehrt. Durch ein Wortfragment kann ein physiologisches und psychologisches Phänomen dargestellt werden. Rosen möchte eine…

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