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Magazin: Kulturpolitik · von Ingo Arend · S. 403 - 403
Magazin: Kulturpolitik , 1992

Kulturboom

Der »Erste Kulturwirtschaftsbericht Nordrhein-Westfalen«

unterstreicht das produktive Wechselverhältnis von öffentlichem und privatem Kultursektor

Seit einigen Jahren hat das Zauberwort von der „Kultur als Standort- und Wirtschaftsfaktor“ Konjunktur. So behauptet der Kulturbericht 1992 der Stadt Bonn, daß sich „das vielseitige kulturelle Angebot einer Stadt in wirtschaftlichen Nutzen umsetzt“. Aber was verbirgt sich genau hinter dem vielbeschworenen Schlagwort mit der Hoffnung auf die wundersame kulturelle Wachstumsdusche?

Die ökonomischen Wirkungen von Kunst und Kultur sind nur schwer auf Heller und Pfennig zu bilanzieren. Wie soll man den umsatz- und qualifikationssteigernden Effekt eines kulturell anregenden urbanen Klimas präzis messen? Der Wuppertaler Ästhetik-Professor Bazon Brock beispielsweise führt zwei Drittel der industriellen Wertschöpfung auf die Arbeit von Künstlern zurück, weil nahezu jedes Produkt designorientiert sei. Die meisten Argumentationen mit der Kultur als Wirtschaftsfaktor stützen sich auf kaum berechenbare Umwegrentabilitäten und indirekte wirtschaftliche Effekte, etwa für die Gastronomie oder die daraus erwachsenden steuerlichen Wirkungen.

Das Münchener ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat in einer Untersuchung vom Februar für die gesamte Bundesrepublik seine Kulturwirtschaftsdaten von 1988 aktualisiert1. Es hat den gesamten Kulturbereich, also private Unternehmen wie öffentliche Kultureinrichtungen, als Wirtschaftszweig ausgemacht, der nach Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigkeit deutlich schneller wächst als die Gesamtwirtschaft.

Das Bonner „Zentrum für Kulturforschung“ vermeidet den problematischen Begriff „Kultur als Wirtschaftsfaktor“ und bilanziert ausschließlich Entwicklung und Effekte der wirtschaftlich tätigen kulturellen Privatbetriebe, ohne den öffentlichen Sektor. Zu dieser „Kulturwirtschaft im engeren Sinne“ zählen das Verlagswesen, die Film- und Fernsehproduktion, die Tonträgerindustrie und der Kunsthandel. Das überraschende Ergebnis des ersten „Kulturwirtschaftsberichts Nordrhein-Westfalen“2, einer empirischen Studie der Arbeitsgemeinschaft des Bonner Zentrums unter der Leitung…

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