Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 2003

FDP-Chef Guido Westerwelle attackierte die Planung der Ausstellung„Mythos RAF“, die Klaus Biesenbach für die Berliner Kunstwerke verantwortet. Insbesondere moniert der liberale Politiker, dass die Ausstellungsmacher bislang nicht die Familien der RAF-Opfer kontaktierten. Immerhin erreichten Westerwelle und andere Kritiker, dass die Ausstellung auf November 2004 verschoben wurde. Kulturstaatsministerin Christina Weiss „überprüft“ derzeit die Förderung aus dem Hauptstadtkulturfonds und hat eine Auszahlung von einer Zusammenarbeit der Kuratoren mit den Angehörigen der RAF-Opfer abhängig gemacht.
Antje Vollmer, Mit-Initiatorin der Ausstellung, wehrt den Vorwurf der Mystifizierung ab. Sie erklärte gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“, der „Kampf gegen den Terrorismus“ bedeute nicht nur „die Taten zu bekämpfen, sondern auch Mythen und Bilder, die mit dem Terror verbunden sind“. Felix Ensslin, Sohn des RAF-Mitglieds Gudrun Ensslin und kuratorischer Berater der Ausstellung, nannte eine „Verärgerung über popkulturelle Aneignungen“ als Anlass zu der Ausstellungsidee, „Kunstobjekten die historische Information und Dokumentation gegenüberzustellen, soweit das machbar ist“. Nicht Verklärung, sondern Aufklärung ist mithin das Anliegen von Biesenbach und Co.: Viele, die heute ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Prada Meinhof“ originell finden, haben den „deutschen Herbst“ 1977 mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und die Befreiung der Geiseln in einer entführten Lufthansa-Maschine in Mogadischu durch eine GSG 9-Einheit noch nicht bewusst miterleben können. Man hat ihnen bislang auch nicht vermittelt, aus welchen Zeitumständen und mit welchen ideologischen Verwirrungen die RAF im Frühjahr 1970 entstanden war, als der verurteilte Kaufhausbrandstifter Andreas Baader von Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis befreit wurde. Trotz der eindeutigen Klarstellung durch Vollmer legte Westerwelle nach, er ginge davon aus,…

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