Magazin: Bücher , 2004

Kunst als Medientheorie

Wie soll man ein Buch mit einer solch komplexen Fülle an Materialien und weitgespannten Reflexionen in knappster Form besprechen? Ich versuche es zunächst über ein Bild, ein Bild, das mir der Umschlag anbietet: ein graues Feld, in das in lockerer und auch dicht gedrängter, rhythmischer Reihung drei parallele Zeilen von Stäben gesteckt sind, deren Schattenwurf einen Partiturähnlichen Rhythmus ergibt, eine Partitur, die abgebrochen, deren Elemente aufgereiht fortsetzbar erscheinen. Es ist die Luftaufnahme des Menhirfeldes von Carnac aus der Megalithkultur aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Dieses Bild ist für mich bei und nach der Lektüre zur Metapher für das Buch geworden. Soll man so weit gehen und in den drei Reihen der Menhire die drei Begriffsfelder chiffriert sehen: Kunst, Medien, Theorie?

In der „Hinleitung: Perspektivierungen zum Werk“ verweist der Autor auf ein Darstellungsproblem, das sich daraus ergebe, das Thema aus der „Imagination der Gleichzeitigkeit des Erzählten […] durch die Gesetze der Narrativität – auch für die beworbene Lesefreundlichkeit“ in eine „lineare Struktur“ zu überführen. < S. 27> Dennoch stellt der Autor den Leser auf eine harte Probe. Der gutwillig Interessierte muss den Versuch des verstehenden Nachvollzugs als anstrengende Arbeit bei der Lektüre unternehmen. Als ein solcher Leser komme ich mir vor wie ein Schwimmer in einem Meer von Wörtern. Ich ergreife Hilfe suchend einen Wortbalken, aber schon schlägt der nächste Wortschwall über mir zusammen. Das führt dann dazu, dass auf dem herausgefischten Wortbalken einzelne Sätze, ehe man sie nachdenkend, hinterherdenkend festgehalten hat, die nachfolgende Wortwelle alles wieder überspült, abgrenzende…

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von Hermann Sturm

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