Magazin: Museen & Institutionen · von Peter Herbstreuth · S. 472
Magazin: Museen & Institutionen , 1997

Peter Herbstreuth

Kunst in der neuen Leipziger Messe

Neuansatz für die Region, ohne durchdringende Gedanklichkeit

Die neue Leipziger Messe wirkt durch den von Gerkan, Marg und Partner entworfenen lichtzelebrierenden Bau wie ein UFO, das zwischen Autobahn und Leipziger Innenstadt auf quasi-neutralem Gebiet gelandet ist. Aber er beruht mit seiner Glashalle ganz traditionell auf Prinzipien der Bogenarchitektur, die im 19. Jahrhundert die Bahnhöfe bestimmte. Volkwin Marg hatte dieses Modul in der Lichtregie großzügig genutzt. Hell, grau, gleißend wird Licht zum Mittler zwischen Zeit und Raum. Farben bringen die Messenutzer. Kein Wunder, daß sich seine Architekten puristisch gegen manche „Eingriffe“ der 25 Künstler wehrten, die in dem Lichtpalast mit Elementen kleckerten. Die Baukünstler dachten in Zeiträumen, die Bildkünstler in Quadratzentimetern.

Obgleich der kuratorische Ansatz grundsätzlich gelungen ist, eine prinzipiell andere Denkweise in der Verbindung von Kunst und Architektur sichtbar zu machen (keine abgestellten Skulpturen, keine mit Drucken gepflasterten Flure) und an neuere Entwicklungen anzuschließen, blieb das Ergebnis insgesamt verschwindend. Das lag auch an den Dimensionen des Budgets. Das Verhältnis der Bausumme (1.3 Mrd. Mark) gegenüber der Kunstinvestition (1.5 Mill Mark) bagatellisiert das Kunstbudget (0.1 %) zum Almosen des Vorstands. Denn als Kostenfaktor geriet es unziemlich klein gegenüber der festlich großen, einzig der Kunst gewidmeten Voreröffnung.

Abgesehen vom Werbefaktor, läßt sich dennoch konstatieren: weder in Berlin noch in seiner Umgebung ist bislang ein solcher Ansatz realisiert worden, der Werke von Künstlern als integriertes Element der Architektur konzipierte, dies bereits in der Bauphase miteinplante, Werk und Präsentation in eins dachte, von Einzelwerken namhafter Künstler weder Botschaft noch repräsentativen Ausdruck…

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