Magazin: Museen & Institutionen · von Michael Hübl · S. 474
Magazin: Museen & Institutionen , 1997

Michael Hübl

Sammlermuseum Karlsruhe

Hektische, hechelnde Menschen auf Großplakaten. Hier eine flotte Charlotte, dort ein spurtender Kurt. Ihre Eile hat nur ein Ziel: einen vom Gesetzgeber bestimmten Stichtag nicht zu verpassen. Derlei von kessen Slogans unterstützte Szenen waren Teil einer Werbekampagne der Bausparkasse Wüstenrot. Das Finanzinstitut akkumuliert und distribuiert Geld, investiert aber auch – wie etwa die Deutsche Bank, Daimler-Benz oder die Aachener und Münchener Versicherungen – in Kunst. Die Bestände der Unternehmen zieren Schalterhallen, Büros, Tresorräume – in Museen gelangen sie gemeinhin nicht, vorerst jedenfalls. Die vorwiegend neue Kunst, um die es da geht, hat schon vor geraumer Zeit neben Banken und Konzernen auch etliche Privatsammler auf den Plan gerufen. Ihre Namen sind neuerdings in aller Munde: Burda beispielsweise, Froehlich, Marx, Scharff, Speck und andere. Auf ihre Sammlungen hat ein Run eingesetzt, als gelte es, der Wüstenrot-Werbung Konkurrenz zu machen: Wer jetzt kein Haus hat, findet keines mehr.

Herbst des Kunstlebens? Allenthalben macht man sich derzeit daran, den Privatbesitz an Kunst nach 45 unter Dach und Fach zu bringen. Was den Berlinern der Hamburger Bahnhof, soll den Hamburgern die neue Kunsthalle sein: ein Ort der Sammlung. Duisburg kommt nächstens hinzu und, wenn das politische Procedere den avisierten Lauf nimmt, bald auch Karlsruhe. Hier könnten im Hallenbau A, einer ehemaligen Munitions- und Waffenfabrik, die derzeit noch vom Büro Schweger + Partner umgebaut wird, große Partien aus renommierten baden-württembergischen Privatsammlungen untergebracht werden.

Das Vorhaben ist alt, wurde unter dem Begriff Sammlermuseum bekannt und erinnert daran, daß der sogenannte Strukturwandel, nicht nur die Wirtschaft, sondern auch…

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