Magazin: Museen & Institutionen , 1997

Dirk Schwarze

Fridericianum bleibt Kunsthalle

In schöner Regelmäßigkeit spielt sich in Kassel das gleiche kulturpolitische Theater ab: Die Bestimmung eines musealen Gebäudes wird zur Disposition gestellt. Das beliebteste Spekulationsobjekt war und ist dabei das Museum Fridericianum, das seit 1955 in der Kunstwelt mit der documenta gleichgesetzt wird. In diesem Sommer (21. Juni bis 28. September) wird das klassizistische Fridericianum zum zehnten Mal Hauptspiel-ort der Kasseler Weltkunstschau sein. Diese Funktionszuweisung stellt mittlerweile auch (fast) niemand mehr in Frage. Der Streit geht vielmehr darum, was in den Zwischenjahren mit dem Gebäude im Zentrum der Stadt passiert. Erst mal ist dieser Streit für die nächsten zehn Jahre entschieden: Das Fridericianum bleibt Kunsthalle, wobei die Räume in dem einen Erdgeschoßflügel dem Kasseler Kunstverein überlassen bleiben.

Warum nur sind die Stadt Kassel und das Land Hessen im Umgang mit diesem mittlerweile so symbolträchtigen Bau so unentschieden? Das seit 40 Jahre andauernde Gerangel hat drei Ursachen. Die älteste und wichtigste weist in die Geschichte und ursprüngliche Bestimmung des Hauses: Als der hessische Landgraf Friedrich II. 1779 von seinem Baumeister du Ry nach klassischem Vorbild das Fridericianum errichten ließ, schuf er den ersten Museumsbau auf dem europäischen Kontinent, der von Anbeginn für die Öffentlichkeit gedacht war. Das Museum nahm Teile der landgräflichen Sammlungen auf – Kunst- und Kuriositätenkabinett, Antiken, astronomisches Kabinett und Bibliothek. Später dann, bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, diente das Fridericianum als Landesbibliothek.

Zu einer Zeit, da niemand an den Wiederaufbau des Hauses zu denken wagte, entdeckte Arnold Bode die Ruine als Schauplatz für die documenta und besetzte…

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von Dirk Schwarze

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