Magazin · von Dirk Schwarze · S. 500
Magazin , 2000

Künstler als Gärtner

»trans plant« von Barbara Nemitz

Seitdem feste menschliche Siedlungen existieren, gibt es Versuche, die umgebende Natur zu domestizieren: Pflanzen, die eigentlich an dem Ort nicht vorkommen, werden dort angesiedelt; die Grünflächen, Sträucher und Bäume werden in Form gebracht; und schließlich bemüht man sich, auch dann das Grün, die Blüten und die Früchte zu haben, wenn die Natur sie eigentlich nicht hergibt. Der zur Künstlichkeit erstarrte Barockgarten, das Gewächshaus und die gentechnische Veränderung der Pflanzen sind die logischen Folgen der Entwicklung.

Obwohl das Wort von der Gartenkunst alt ist, wurden die Künstler über lange Zeiten nur für die Möblierung der Gärten mit Skulpturen in Anspruch genommen. Eine radikale Veränderung erfolgte erst in dem Moment, als die Moderne an ihr Ende gekommen war und die Kunst in gesellschaftliche Räume expandierte. Da dies exakt der Zeitpunkt war, zu dem das Bewusstsein für den Wert und die Gefährdung der lebensspendenden Natur an Bedeutung gewann, entdeckten nun auch die Künstler die Pflanzen und Gärten als Gestaltungsmittel. In seinem Aufsatz „Boden gewinnen: Ein Rückblick auf die Kunst in der Natur und die Natur als Kunst“ hat Kim Levin aus amerikanischer Sicht sehr genau beschrieben, wie sich Ende der 60er Jahre innerhalb der Kunst das Interesse an der Natur entwickelte und erste Projekte von Künstlergärten entstanden. Enthalten ist der Aufsatz in dem von Barbara Nemitz herausgegebenen Band „trans plant – Living Vegetation in Contemporary Art“.

Nachdem das KUNSTFORUM 1999 mit seinen beiden Bänden 145 und 146 eine breite Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Künstlers als Gärtner eingeleitet hatte,…

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