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Titel: Das Atelier als Manifest · von Dominique von Burg · S. 108 - 129
Titel: Das Atelier als Manifest , 2011

Dominique von Burg
Künstlerateliers als gebaute Manifeste

Wer kennt es nicht, das Atelierhaus «Bateau-Lavoir» im Pariser Montmartre, das in unserer Fantasie insgeheim immer noch ein Bild des ungebundenen, wilden Bohèmelebens, auch ein mythischer Ort der künstlerischen Schöpfung und Genialität evoziert (Abb. 1). Hier zurückgezogen von der Außenwelt, stellt man sich vor, soll der Künstler nach dem unbekannten Meisterwerk gesucht haben, wenn er nicht gerade ausgelassene Feste mit Künstlerkollegen und schönen Frauen gefeiert hat. Das «Bateau-Lavoir» steht um die Wende zum 20. Jahrhundert geradezu prototypisch für den mit der Künstlerwerkstatt eng verbundenen Geniekult, wie er für das 19. Jahrhundert charakteristisch war. Maxime Maufra mietete sich 1892 als erster Künstler im Haus ein, das damals noch «Maison du Trappeur» genannt wurde. In der Folge nisteten sich spanische und italienische Künstler im Umkreis des mit Picasso befreundeten spanischen Bildhauers Paco Durio ein. Da das Haus den Booten der Waschfrauen auf der Seine ähnelte, verlieh ihm der Schriftsteller und Maler Max Jacob den Namen «Bateau-Lavoir» (Waschboot). Der deutsche Maler Friedrich Ahlers-Hestermann, Schüler der Académie Matisse, beschrieb das Atelierhaus als verwahrloste, riesige Holzbaracke, die nach der Place Ravignan hin einstöckig und sich dahinter fünf Geschosse tief am Abhang erstreckte.1 Die Baracke war nicht nur die Wiege des Kubismus, sondern bot neben Pablo Picasso einer Reihe bekannter Künstler und Schriftsteller wie Kees van Dongen, Juan Gris, Max Jakob, Pierre Reverdy, Amedeo Modigliani u.a. zu Beginn des 20. Jahrhunderts günstigen Unterschlupf im damals schon teuren Paris. Am 12. Mai 1970 wurde das Gebäude durch einen Brand zerstört…


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von Dominique von Burg

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