Titel: Zeichnen zur Zeit IV , 2011

Reinhard Ermen

Susan Hefuna

In alten oder traditionellen ägyptischen Häusern trennt die Mashrabiya den Innen- vom Außenraum. Diese durchbrochenen, hölzernen Blenden sind offen und geschlossen zugleich: Man kann hinaus, aber nicht hineinsehen, man ist mit den Augen auf der Straße aber doch im Haus, die Luft zirkuliert ungestört. Inspiriert von solchen, in Ägypten durchaus noch allgegenwärtigen Fenstergittern hat Susan Hefuna die Textur ihrer Zeichnungen entwickelt. Wichtigstes Element, ja, conditio sine qua non ist eine Lineatur mit regelmäßig gesetzten Knoten, in denen die ursprünglichen Kreuzungspunkte weiterleben. Das Bild ist von Anfang an rhythmisiert. Tayfun Belgin spricht von einer „poetischen Kettenschrift“. Aus den ‚Ketten’ entstehen eigenständige zellulare Netze, bzw. organische Konstruktionen, um die „Bildbeschreibung“ von Belgin nochmals zu bemühen, es kommt zur „Verknüpfung von Idee und Struktur“. Die Mashrabiya steht selbst dann noch konstituierend hinter dieser Strukturarbeit, wenn die Module sich fließend verselbständigen oder den Archetypus wuchernd zu verleugnen scheinen. Zuerst in Unterägypten und dann in Deutschland aufgewachsen, baut Hefuna abstrakt anmutende Architekturen nach Maßgabe einer persönlichen Erfahrung. Seit 1991 macht sie diese Blätter, die Sprache ihres, zentraleuropäisch umgeleiteten Herkommens eröffnet Möglichkeiten einer subtilen Innenschau mit dem Blick ins Weite. Auch New York erscheint bei ihr wie durch das Raster der Mashrabiya gesehen. Sie arbeitet mit Tinte, Aquarell oder Bleistift, meistens auch auf Transparentpapier, oft in mehreren Lagen. Sie beginnt mit einer grundlegenden Zeichnung, es wachsen Schichten hinzu; die Architektur entwickelt ganz von selbst eine konkrete Tiefe in bis zu vier Transparenten. Gelegentlich setzt sie farbige Akzente.

Susan Hefuna ist viel unterwegs, nicht nur zwischen…

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von Reinhard Ermen

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