Magazin , 2000

Kursbuch Neue Medien 2000

Der Untertitel „Ein Reality Check“ macht schon deutlich, dass die Herausgeber, Heide Baumann, Managerin in einem Telekommunikationsunternehmen, und Clemens Schwender, Medienwissenschaftler an der TU Berlin, bestrebt sind, die Neuen Medien nach ihrem Realitätseffekt zu messen. Dieser skeptische Blickwinkel wird nicht nur im eigenen Beitrag Schwenders, einer Erwiderung auf die allseits bekannten optimistischen Prognosen für den E-Commerce von Wolf Lotter, sichtbar – er beurteilt Lotters Thesen als pure Science Fiction –, sondern auch in dem Aufsatz „Die Informationsgesellschaft als Self-fulfilling Prophecy“ von Jo Pölzl, der behauptet, mediale Inhalte würden Bewusstseinveränderungen auslösen, die auch die gesamt-gesellschaftliche Entwicklung betreffen.

Der Ausdruck „Reality Check“ soll aber in erster Linie Praxisnähe andeuten. Diesem Kursbuch geht es deshalb weniger um philosophisch-kulturtheoretische Überlegungen als um Erfahrungsberichte, um Einschätzungen aus dem alltäglichen Umgang mit den Neuen Medien. So findet man in diesem Band Artikel über den Nutzen des Computers für den Filmvertrieb, die Folgen für die Literatur, die wachsende Zahl von Netzradios, die Absurditäten der Porno-Sites oder den Boom der Online-Geldspekulation. Barbara von Lühe weist mahnend auf die vielseitige Nutzung des Internets durch Rechtsradikale hin. Gerade anhand von „Snuff-Filme“ zeigt Jörg Buttgereit die Fragwürdigkeit des Realitätsgehalts der Medien auf.

Aber auch grundlegende Betrachtungen fehlen nicht gänzlich. Zu ihnen gehört ein wenig kurz geratenes Gespräch mit Heinz von Förster. Seine Aussagen über Zeitenwende und Sprache sind wie immer anregend und amüsant. Interessant auch der Beitrag von Knut Hickethier, der die politische Bedeutung der „Virtuellen Demokratie“ und die Protestformen von Netzaktivisten in Frage stellt. Die zusammenfassende These der Herausgeber,…

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von Justin Hoffmann

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